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Mittwoch, 23. August 2017

WEMAG:
Kommunalisierung allen voran


[4.12.2015] Der Energieversorger WEMAG jubiliert gleich zweifach: das Unternehmen feiert in diesem Jahr nicht nur sein 25-jähriges Bestehen, sondern blickt auch auf fünf Jahre als erster kommunaler Regionalversorger Deutschlands zurück. Die Bilanz fällt durchweg positiv aus.

Seit dem Jahr 2010 wird die WEMAG kommunal geführt. Anfang 2010 wurde die Westmecklenburgische Energieversorgung AG (WEMAG) kommunalisiert; seither versteht sich die WEMAG-Gruppe als Partner der Kommunen und ihrer Bürger. Mittlerweile ist der Energieversorger schon seit fünf Jahren im Eigentum der Gemeinden seines Versorgungsgebiets. Dieses umfasst eine Fläche von etwa 8.500 Quadratmetern in Westmecklenburg und der Prignitz sowie eine Gemeinde in Niedersachsen. Die Eigentumsverhältnisse stellen sich wie folgt dar: Die Gemeinden halten über einen kommunalen Zweckverband 74,9 Prozent der Unternehmensanteile, die verbleibenden 25,1 Prozent befinden sich im Besitz der ebenfalls kommunalen Thüga Aktiengesellschaft. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern unterstützte ihrerseits die Kommunalisierung von WEMAG maßgeblich – es handelte sich schließlich um die erste Kommunalisierung eines Regionalversorgers in Deutschland. Wie sich herausstellte, erwies sich die Entscheidung der Anteilseigner des Schweriner Ökoversorgers als wegweisend: Kommunen in Thüringen und später auch in Hessen und Niedersachsen folgten dem Beispiel und übernahmen mit den Unternehmen Thüringer Energie aus Erfurt und der Kasseler Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) weitere große regionale Energieversorger. Heute schaut die WEMAG mit Freude auf ihre Vorbildrolle. Schließlich erwies sich die Kommunalisierung nicht nur als Erfolgsmodell für ihre Anteilseigner und die Region, sondern es wurde zugleich der Grundstein für eine ökologische Ausrichtung des Unternehmens und eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Gemeinden gelegt.

Innovative Kompetenz

So bietet WEMAG seit dem Jahr 2011 neben Ökostrom unter der Marke wemio bundesweit klimafreundliche Erdgasprodukte an und macht sich für eine moderne, ökologische Energieversorgung stark. Intelligente Netzsteuerungssysteme, maßgeschneiderte Photovoltaikanlagen und Hausspeicher zählen ebenso dazu, wie Elektromobilitäts- und Energieeffizienzangebote. Seitdem die WEMAG in kommunale Hand übergegangen ist, konnten drei Biogasanlagen, mehrere Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 13,5 Megawatt und sechs Windkraftanlagen errichtet werden. Künftig sind vor allem Investitionen in Windprojekte geplant. Ziel ist es, die Chancen, die sich durch die Energiewende ergeben, zu nutzen und dabei die Interessen der Region in den Fokus zu rücken. Zusätzlich möchte das Unternehmen als Innovator und kompetenter Ansprechpartner für die Gemeinden bei der Umsetzung der Beschlüsse zur Energiewende wahrgenommen werden. Viele Kommunen haben beispielsweise einen Bedarf an fachkundiger Beratung. Die WEMAG-Experten bieten hier passende Lösungen von der Energieversorgung über Energieeffizienzmaßnahmen und Contracting-Modelle bis hin zu Energiespeichern an. Doch auch finanziell profitieren die etwa 250 im Anteilseignerverband von WEMAG organisierten Gemeinden. So erhalten diese 75 Prozent der Dividendenausschüttung. Sie summiert sich seit Gründungsdatum bis heute auf einen Betrag von insgesamt 74,4 Millionen Euro. Im Jubiläumsjahr 2015 liegt der entsprechende Aktienwert bei 94 Cent. Während momentan noch ein Teil der Dividende in die Tilgung des Kredits zum Kauf der WEMAG-Anteile fließt, werden die Gemeinden nach vollständiger Abzahlung über die gesamten Erträge verfügen - keine unbedeutenden Einnahmen in Zeiten knapper kommunaler Haushalte.

Genossenschaftliche Beteiligung

Darüber hinaus möchte WEMAG sowohl die Kommunen als auch ihre Bürger an der aus regenerativer Energieerzeugung resultierenden Wertschöpfung beteiligen. Ein Beispiel hierfür ist die Gründung der Genossenschaft Norddeutsche Energiegemeinschaft, ein Zusammenschluss von WEMAG und fünf Volks- und Raiffeisenbanken aus der Region. Mitglieder werden können Bürger, Unternehmen und Gemeinden. Allein im Geschäftsjahr 2014 gab die Energiegemeinschaft an ihre inzwischen mehr als 900 Genossen eine Zinsausschüttung von 4,5 Prozent weiter und erreichte damit ein Zinsniveau, das sich weit über dem herkömmlicher Sparbücher oder Festgeldkonten bewegt. Mit dem bislang eingezahlten Kapital von 4,7 Millionen Euro konnten bereits Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund acht Megawatt errichtet werden. In Zukunft sollen die Aktivitäten auf Windparkprojekte ausgeweitet werden. Die kommunale Anteilsstruktur von WEMAG sichert Wertschöpfung in und für die Region und lässt das Unternehmen noch näher an die Menschen aus der Region heranrücken. Die Kommunalisierung im Jahr 2010 hat die Identifikation der Kunden sowie der Städte und Gemeinden spürbar gefestigt und bietet dem Unternehmen die Chance, in der Region eine starke Position einzunehmen. Dass die WEMAG hier beispielhaft für viele andere vorangegangen ist, erfüllt das Unternehmen ebenso mit Stolz wie das 25-jährige Firmenjubiläum, das unter den aktuellen Bedingungen und im hart umkämpften Energiesektor keine Selbstverständlichkeit ist.

Caspar Baumgart ist seit Februar 2010 kaufmännischer Vorstand der WEMAG AG. Nach einem juristischen Studium arbeitete er als Rechtsanwalt in Schwerin und wechselte 1997 zur Thüga-Aktiengesellschaft nach München. Seit 2003 ist Baumgart Mitglied in Aufsichtsräten verschiedener Beteiligungsunternehmen von Thüga.

www.wemag.com
Dieses Beitrag ist im Titel der November/Dezember-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Rekommunalisierung, WEMAG, EAM, wemio

Bildquelle: WEMAG

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