Dienstag, 3. November 2026

FernwärmenetzSoftware hilft bei Umstrukturierung

[12.07.2023] In Fernwärmenetze sollen mehr alternative Energiequellen einspeisen. Allerdings muss dazu die Temperatur im Verteilnetz deutlich verringert werden. Zonenweise lässt sich dies mit intelligenten End-to-End-Lösungen umsetzen.

Politisch mit Hochdruck wird derzeit die Wärmewende in Deutschland vorangetrieben. Als eine ihrer Schlüsseltechnologien werden Fernwärmenetze bewertet, die wegen ihres geringen Primärenergieeinsatzes generell eine geringere Umweltbelastung darstellen. Trotzdem fällt der Anteil der Fernwärme an der Gesamtenergieversorgung bislang eher gering aus. Im Jahr 2022 wurden gerade einmal 14,3 Prozent aller Wohnungen mit Fernwärme beheizt. Das entspricht in etwa jedem siebten deutschen Haushalt. Zu begründen ist dies vor allem mit dem aufwendigen Bau der Wärmenetze, der sich nur lohnt, wenn möglichst viele Haushalte in einem kleinen Radius versorgt werden können. Fernwärmenetze sind deshalb vor allem in Ballungsräumen wie Berlin oder Hamburg verbreitet. Dort liegt der Anteil der Fernwärmenutzer mit durchschnittlich 36 Prozent deutlich höher.
Um den Fernwärmesektor noch nachhaltiger zu gestalten und Deutschland weniger abhängig von fossilen Energieträgern zu machen, müssen die bestehenden Wärmenetze schrittweise auf alternative Energiequellen umgestellt werden. Noch wird ein Großteil der Fernwärme in Deutschland durch fossile Energieträger erzeugt. Bei nur rund 17 Prozent lag der Anteil erneuerbarer Energien im Jahr 2021. In Schweden sind es durchschnittlich 80 Prozent.

Problem der einheitlichen Temperaturabsenkung

Grundsätzlich kann eine Vielzahl an Energiequellen in Fernwärmenetze einspeisen. Eine der vielversprechendsten Alternativen zu Gas, Kohle und Öl stellt die in industriellen Prozessen entstehende Abwärme dar. Als Nebenprodukt geht sie oft ungenutzt verloren und lässt sich deshalb hervorragend in der Wärmeversorgung einsetzen. Auch die Abwärme aus Geo- und Solarthermieanlagen oder Rechenzentren kommt als Energiequelle infrage. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom könnten allein durch die Nutzung von Rechenzentrumsabwärme jährlich rund 350.000 Wohnungen in Deutschland versorgt werden – das entspricht in etwa der Wohnungsanzahl Bremens. Europaweit könnte die Abwärme aus Rechenzentren nach einer Berechnung von Eurostat sogar zwei bis drei Prozent der Energie liefern, die europäische Haushalte zum Heizen brauchen. Weitere mögliche Nutzungsquellen für Fernwärmenetze sind Müllverbrennungsanlagen, Heizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Biogas sowie feste Biomasse in Form von Pellets, Hackschnitzeln oder Scheitholz.
Die Verwendung alternativer Energiequellen in Fernwärmenetzen geht mit einigen Herausforderungen einher. Zunächst muss beispielsweise die Temperatur im Verteilungsnetz deutlich verringert werden. Üblicherweise sind diese aber auf die Versorgung der Gebäude mit dem höchsten Energiebedarf ausgelegt. Das übrige Netz wird deshalb mit viel höheren Temperaturen versorgt als erforderlich. Da die vorhandene Energiemenge in den Fernwärmenetzen permanent zur Verfügung steht, aber nicht ständig abgerufen wird, geht wertvolle Energie verloren. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen dem Wasser in den Rohrleitungen und dem Erdreich kommt es zu teils hohen Wärmeverlusten. Hinzu kommt, dass Fernwärmenetze in der Regel über Jahrzehnte hinweg gewachsen und daher sehr verzweigt sind. Das gestaltet eine einheitliche Temperaturabsenkung unter Berücksichtigung individueller Verbrauchergruppen sehr aufwendig.

Netztransformation schon heute

Dank intelligenter End-to-End-Lösungen können Fernwärmeanbieter ihre Netze trotzdem schon jetzt so optimieren, dass eine bedarfsorientierte Versorgung möglich wird. Moderne Anwendungen wie Grundfos iGRID erlauben eine zonenweise Transformation: Eine intelligente Datenerfassung und -auswertung in Echtzeit sorgt dafür, dass die Energieversorgung in diesen Zonen besser angepasst werden kann. In jenen Bereichen des Fernwärmenetzes, die eine geringere Wärmeleistung benötigen, lässt sich die Vor- und Rücklauftemperatur senken. Dazu wird das kältere Rücklaufwasser in die Vorlaufleitung eines beliebigen Abzweigs im Netz gemischt und das dahinter liegende Areal bedarfsgerecht versorgt. Um bis zu 20 Prozent können auf diese Weise die Wärmeverluste im Versorgungsnetz reduziert werden. Auch die Lebensdauer der bestehenden Netze erhöht sich um mehr als das Dreifache. Zudem lassen sich durch die direkte Einbindung von Wärmepumpen in den neuen Niedertemperaturzonen neue Energiequellen viel effizienter einsetzen.
Die Bundesregierung will die Abwärmenutzung aus alternativen Energiequellen stärker voranbringen und hat in diesem Zuge einen Vorschlag für ein neues Energieeffizienzgesetz vorgelegt. Dieses könnte erheblich dazu beitragen, die Energiesicherheit in Deutschland zu steigern. Aber auch international werden der Ausbau der Fernwärme und die Integration alternativer Energiequellen vorangebracht und Digitalisierungsprozesse weiter optimiert.

Manuel Elbert

Elbert, ManuelManuel Elbert ist seit dem Jahr 2021 Area Sales Director in der Commercial Building Service Division D-A-CH bei Grundfos. Von April 2019 bis Dezember 2020 war er bereits Sales Director Commercial Building DA bei Grundfos, ab September 2019 außerdem Commercial Excellence Ambassador DACH.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Informationstechnik
bericht

KRITIS: Von der Risikoanalyse zur Resilienz

[29.10.2026] Cyber-Angriffe, Naturgefahren und technische Ausfälle erhöhen die Risiken für Energieversorger. Ein ganzheitlicher Ansatz hilft, Risiken finanziell zu bewerten, Maßnahmen zu priorisieren und die Versorgung schneller wiederherzustellen. mehr...

INIT: Stadtwerke Heilbronn setzen auf Cloud-Lösung

[26.10.2026] Die Stadtwerke Heilbronn haben ihr Kunden- und Vertriebsmanagement auf eine Cloud-Lösung von INIT umgestellt. Damit wollen sie interne Abläufe vereinfachen und neue digitale Angebote für Fahrgäste ermöglichen. mehr...

Karlsruhe: KI-Anwendungen für die Energieversorgung entwickeln

[26.10.2026] Bei einer KI-Challenge in Karlsruhe haben Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kommunen Ansätze für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Energieversorgung entwickelt. Im Mittelpunkt standen Genehmigungsverfahren, der Betrieb Kritischer Infrastruktur und die Widerstandsfähigkeit von Energiesystemen. mehr...

bericht

Organisation: Cyber-Schutz ist Chefsache

[22.10.2026] Wer Cyber-Resilienz auf technische Schutzmaßnahmen reduziert, greift zu kurz. Die Technik muss auch in entsprechende organisatorische Prozesse eingebettet sein, mit klaren Verantwortungsstrukturen und Entscheidungswegen. Cyber-Sicherheit wird somit zur Managementaufgabe. mehr...

bericht

Cyber-Sicherheit: NIS2-Konformität ­wirtschaftlich umsetzen

[20.10.2026] Im Rahmen der NIS2-Richtlinie sind auch kleinere Stadtwerke dazu verpflichtet, verbindliche Anforderungen an die Cyber-Sicherheit, das Risikomanagement und die Meldeprozesse umzusetzen. Aufgrund fehlender Security-Experten und begrenzter IT-Budgets ist das jedoch eine große Herausforderung. mehr...

dena: Konzept für Energiedatenraum bis 2032 vorgelegt

[19.10.2026] Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat ein Konzept für einen branchenübergreifenden Energiedatenraum vorgestellt, der den Datenaustausch im Stromsektor bis 2032 verbessern soll. Eine Studie zeigt am Beispiel variabler Netzentgelte, welche Vorteile eine gemeinsame digitale Infrastruktur bieten könnte und wie sich diese schrittweise einführen ließe. mehr...

EnBW: Energiewelt-App überarbeitet

[16.10.2026] Die EnBW hat ihre Kunden-App überarbeitet und um neue Funktionen zur Verbrauchsüberwachung und Steuerung von Energieanlagen erweitert. Die Anwendung integriert nun auch ein Heim-Energie-Management-System, mit dem sich unter anderem Wärmepumpen und Elektroautos steuern lassen. mehr...

Schleupen/Hansen: Zusammenarbeit verlängert

[16.10.2026] Die Softwareunternehmen Schleupen und Hansen Technologies setzen ihre Zusammenarbeit im Energiedatenmanagement für weitere fünf Jahre fort. Mehr als 80 Energieversorger mit über drei Millionen Messstellen nutzen die gemeinsame Lösung bereits. mehr...

Cyber-Sicherheit: Risiken für Wind- und Solarparks

[13.10.2026] Eine neue Studie hat Tausende über das Internet erreichbare Systeme im Umfeld europäischer Wind- und Solarparks identifiziert. Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland warnt vor wachsenden Risiken für die Energieversorgung durch die zunehmende Dezentralisierung. mehr...

Stadtwerke Flensburg: Instandhaltung auf neue Softwarelösung umgestellt

[06.10.2026] Die Stadtwerke Flensburg haben ihre mobile Instandhaltung auf eine neue Softwarelösung umgestellt. Das Maintenance Portal von argvis soll papierbasierte Abläufe ersetzen und die Arbeit in Netzen, Erzeugung und Service auf einer gemeinsamen Plattform bündeln. mehr...

Soluvia: Abrechnungsplattform für Stadtwerke eröffnet

[29.09.2026] Soluvia Energy Services bietet seine Abrechnungsplattform SESuite erstmals Energieversorgern außerhalb des MVV-Energie-Konzerns an. Das Full-Service-Angebot richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Versorger, die ihre Abrechnungssysteme ablösen oder neu aufstellen wollen. mehr...

data analytics institute: Neuer Konsortialpartner von energy data-X

[28.09.2026] Das data analytics institute wird Konsortialpartner von energy data-X und bringt seinen Datenraum HEAT-X für die kommunale Wärmeplanung ein. Damit sollen Daten aus Strom- und Wärmesektor künftig über eine gemeinsame Infrastruktur verknüpft werden. mehr...

Greenflash: Dezentrale Energiesysteme in Echtzeit steuern

[25.09.2026] Greenflash hat mit Greencore AI eine Software zur Echtzeitsteuerung dezentraler Energiesysteme entwickelt. Sie soll Erzeugung, Speicherung und Verbrauch anhand von Prognosen und aktuellen Marktdaten wirtschaftlich aufeinander abstimmen. mehr...

items: ITS Group übernimmt Fernwärme-Software

[24.09.2026] items überträgt seine Fernwärme-Software Grid Insight: Heat zum 1. November 2026 an die ITS Group. Mit der Software wechselt auch das zuständige Team zum Dortmunder Unternehmen. mehr...

G&W Software: Unterstützung bei Investitionsentscheidungen

[21.09.2026] Der Umbau der Energieversorgung stellt Versorger vor langfristige Investitionsentscheidungen bei Gas-, Wärme- und Stromnetzen. Die Software CaliforniaX soll dabei helfen, unterschiedliche Szenarien zu kalkulieren und Infrastrukturprojekte auf ihre Wirtschaftlichkeit zu prüfen. mehr...