Donnerstag, 17. September 2026

ThügaPositionspapier zum Fernwärme-Ausbau

[18.03.2022] Thüga hat jetzt ein Positionspapier veröffentlicht, in dem Lösungsvorschläge in vier Handlungsfeldern für den Ausbau der Fernwärme präsentiert werden. Damit diese umgesetzt werden können, müssten vor allem auf Bundes- und Landesebene Einschränkungen abgebaut werden.

Die Thüga und die Stadtwerke des Thüga-Verbunds haben gefordert, die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen kurzfristig anzupassen, damit die Transformation hin zu Netto- CO2-Emissionen in der Fernwärme bis 2045 gelingen kann. Wie die Thüga berichtet, haben sie jetzt in einem Positionspapier Lösungsvorschläge in vier Handlungsfeldern präsentiert.
Um die Stromversorgung in Deutschland mit zukünftig mehr als 80 Prozent erneuerbaren Energien zu sichern, seien zusätzlich etwa 40 Gigawatt an wasserstofftauglichen, flexiblen Kraftwerken für Dunkelflauten erforderlich. Es sei energetisch und technisch effizient, mindestens die Hälfte dieser Kraftwerke als flexible Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) zu realisieren. Dies könne zügig umgesetzt werden, indem zum einen die Ausschreibungsvolumina aufgestockt und zum anderen die spezifischen Fördersätze erhöht werden.
Mit Blick auf die CO2-Ziele der Bundesregierung und den Ausbau erneuerbarer Energien sei es volkswirtschaftlich und klimapolitisch sinnvoll, der KWK-Erzeugung dauerhaft Vorrang zu geben. Dies könne daran geknüpft werden, dass am Standort einer KWK-Anlage auch eine Power-to-Heat-Anlage und ein Wärmespeicher betrieben werden. Solche Systeme könnten große Mengen von Überschussstrom einfach und kostengünstig aufnehmen und Strom dann liefern, wenn die Nachfrage am höchsten ist. Sie leisteten in doppelter Hinsicht einen Beitrag für die Versorgungssicherheit im Strom- und Wärmebereich.
Eine zuverlässige, bezahlbare und zunehmend klimaneutrale Wärmeversorgung sei nur dann möglich, wenn die Kommunen die Potenziale vor Ort bestmöglich erschließen können. Für die kommunale Wärmeplanung bedürfe es deshalb klar definierter Leitplanken seitens der Politik. Nur so könnten die entsprechenden Pläne zielführend erstellt und in der Umsetzung stärker finanziell unterstützt werden.

Alle Technologien zur CO2-Minderung zulassen

„Die Kommunen benötigen einen politisch formulierten Handlungsauftrag, um gemeinsam mit dem lokalen Energieversorger, den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren Partnern ihre kommunale Wärmeplanung zu erstellen und umzusetzen“, sagt Michael Riechel, Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft. „Alle Technologien, die einen Beitrag zur CO2-Minderung leisten, müssen ebenso wie der Energieträger Wasserstoff zugelassen sein. Jede Art von Einschränkung auf Bundes- oder Landesebene führt dazu, dass CO2-Minderungspotenziale vor Ort nicht optimal ausgeschöpft werden können.“
Der Thüga zufolge hat die Bundesregierung mit dem Bundesförderprogramm Effiziente Wärmenetze (BEW) ein Instrument entwickelt, das die Transformation der Fernwärme systematisch unterstützt. Dieses Instrument müsse schnellstmöglich in Kraft treten. Der aktuelle Entwurf des BEW reiche jedoch nicht aus, um die Transformation und den Ausbau der Fernwärme entsprechend den bundespolitischen Zielen umzusetzen.
Die Thüga fordert, den Förderzeitraum für Fernwärme auf mindestens zehn Jahre zu verlängern. Dadurch entstehe Planungssicherheit für langfristige Investitionsentscheidungen, die notwendige Voraussetzung für die Etablierung hocheffizienter und erneuerbarer Wärmenetzsysteme sind. Das Gesamtbudget des BEW sollte bis 2025 schrittweise auf drei Milliarden Euro pro Jahr erhöht werden. Diese Anpassung stelle sicher, dass der politisch gewollte Ausbau der Fernwärme bei gleichzeitiger Transformation hin zu erneuerbarer Wärme auch tatsächlich erfolgt.

Gebäude leichter an Fernwärme anschließen

Damit Fernwärme in vollem Umfang zur CO2-Minderung im Gebäudebestand beitragen und sich im Neubaubereich zu möglichst günstigen und sozialverträglichen Preisen entfalten kann, müssten potenzielle Kunden im Versorgungsgebiet auch Zugang zur Fernwärme haben. Die administrativen Hürden, um Gebäude an das Fernwärmenetz anzuschließen, müssten daher von der Politik abgebaut werden.
Im reinen Kostenvergleich mit Einzelheizungen habe die Fernwärmeversorgung bislang oft einen Nachteil, weil hier im Sinne des Mieterschutzes keine Vergleichbarkeit gegeben ist. Aufgrund der CO2-Bepreisung müssten Fernwärmekunden verglichen mit Nutzern einer dezentralen Einzelheizung zurzeit etwa das Dreifache für CO2 bezahlen. Diese systembedingte Wettbewerbsverzerrung führe dazu, dass in einem Fernwärme-Versorgungsgebiet oft weniger effiziente Einzelheizungen mit höheren CO2-Emissionen verbaut werden. Daher sollte Fernwärme aus dem Anwendungsbereich der Wärmelieferverordnung herausgenommen und dauerhaft als zulässige Ersatzmaßnahme im Gebäudeenergiegesetz (GEG) verankert werden.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung
Pumpen in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage

VKU: Stadtwerke zweifeln an Wärmewende-Ziel für 2045

[17.09.2026] Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt erhebliche Zweifel kommunaler Wärmeversorger am Zeitplan der Wärmewende. Drei Viertel der Befragten halten klimaneutrales Heizen bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. mehr...

Stadtwerke Buxtehude/enercity contracting: Wärmegesellschaft gegründet

[17.09.2026] Die Stadtwerke Buxtehude und enercity contracting wollen gemeinsam ein Wärmenetz im Nordwesten Buxtehudes entwickeln. Dafür haben die Unternehmen die Buxtehuder StadtWärme GmbH gegründet. Vorgesehen ist unter anderem der Einsatz von Großwärmepumpen. mehr...

Hamburg: Erneuerbare Wärme für Fischbeker Reethen

[16.09.2026] Das neue Wohnquartier Fischbeker Reethen im Hamburger Süden soll vollständig mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Ein eigenes Wärmenetz mit Großwärmepumpen und Wärmespeichern soll künftig die Wärme für Heizung und Warmwasser bereitstellen. Die Wärmekonzession hat die IBA Hamburg an die HEnW KommunalEnergie vergeben. mehr...

Georg Fischer/Jaske & Wolf: Kooperation bei Wärmelösungen

[16.09.2026] Georg Fischer und Jaske & Wolf Verfahrenstechnik bündeln ihre Kompetenzen für die Transformation des Wärmesektors. Im Fokus der strategischen Partnerschaft stehen Lösungen für Wärmeerzeugung, Wärmenetze und die Sektorkopplung. mehr...

Stadtwerke Neustadt in Holstein: Energiequelle Ostsee

[10.09.2026] In Neustadt in Holstein ist eine Meerwasser-Wärmepumpe für die Wärmeversorgung eines größeren Quartiers in Betrieb gegangen. Nach einem mehrmonatigen Probebetrieb liefert die Anlage nun regulär Wärme für das neue Hafenquartier. mehr...

Luftaufnahme eines Gewerbegebiets am Moselbogen mit Büro- und Betriebsgebäuden, Parkplätzen und Photovoltaikanlagen auf mehreren Dächern. Im Hintergrund fließt die Mosel, dahinter erstrecken sich Wohngebiete, Felder und bewaldete Hügel.

evm/Iqony: Gemeinsames Wärmenetz geplant

[08.09.2026] Die Energieversorgung Mittelrhein und Iqony wollen bei der Wärmeversorgung im Koblenzer Stadtteil Rauental zusammenarbeiten. Die bislang getrennten Wärmenetze sollen zusammengeführt und künftig gemeinsam weiterentwickelt werden. mehr...

Sterr-Kölln & Partner: Drei Wärmenetze wechseln den Eigentümer

[31.08.2026] Drei mit erneuerbaren Energien betriebene Wärmenetze in Südbaden gehören seit April 2026 zu Elevion Energy Solutions. Die Anlagen in Kenzingen, Sasbach und Efringen-Kirchen versorgen rund 130 Kundinnen und Kunden und erreichen zusammen eine Wärmeleistung von etwa 5,5 Megawatt. mehr...

bericht

Wärmespeicher: Immer da, wenn man sie braucht

[27.08.2026] Anfang Juli wurde in Gelsenkirchen ein Großwärmespeicher eingeweiht. Das Projekt ist exemplarisch für die aktuelle Phase der Energiewende. In dieser Phase steht weniger die Erzeugung im Vordergrund, sondern die Frage, wie Energie verfügbar gemacht werden kann, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. mehr...

Fraunhofer ISE/Öko-Institut: Auswertung der abgeschlossenen Wärmepläne

[27.08.2026] Wärmepumpen und Wärmenetze sollen bis 2045 den größten Teil der Wärmeversorgung in den ausgewerteten Kommunen übernehmen. Eine neue Auswertung von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zeigt zugleich, wo Wärmepläne noch auf unsicheren Annahmen beruhen. mehr...

swb: Beratungstage zu Wärmepumpen, PV-Anlagen und Wallboxen

[27.08.2026] swb bietet im Herbst Beratungstage zu Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Wallboxen in Bremen und Bremerhaven an. Wer danach einen Vertrag abschließt, kann je nach Kombination von Bonus und Förderung bis zu 1.250 Euro erhalten. mehr...

EWE: Infoveranstaltung zur Wärmepumpen-Förderung

[25.08.2026] EWE informiert am 2. September über das Zusammenspiel von Wärmepumpe und Photovoltaik sowie aktuelle Förderbedingungen. Die Online-Veranstaltung greift auch anstehende Änderungen bei der Förderung und die Bedeutung der Einspeisevergütung für Investitionsentscheidungen auf. mehr...

KEA-BW: Musterverträge für Wärmenetze

[18.08.2026] Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg stellt Kommunen drei kostenlose Musterverträge für Wärmenetze zur Verfügung. Sie sollen Städten und Gemeinden die Gestaltung von Gestattungs- und Wärmeversorgungsverträgen erleichtern. mehr...

swb: Webinare rund um Wärme, Solarenergie und E-Mobilität

[14.08.2026] swb bietet im August und September kostenfreie Webinare zu Wärme, Solar und E-Mobilität an. Im Mittelpunkt stehen neue Förderbedingungen, technische Lösungen und Fragen, die für geplante Investitionen im Land Bremen relevant sind. mehr...

Stuttgart: KEA-BW-Fachtagung zu Wärmenetzen

[06.08.2026] Die KEA-BW lädt am 18. November 2026 zur Fachtagung „Energiewende kompakt“ nach Stuttgart ein. Im Mittelpunkt stehen Wärmenetze und erneuerbare Energien sowie der Erfahrungsaustausch zwischen Kommunen, Stadtwerken und weiteren Fachleuten. mehr...

BBSR: Fortschritte bei der kommunalen Wärmeplanung

[05.08.2026] Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt inzwischen in Kommunen mit abgeschlossenem Wärmeplan. Eine aktuelle BBSR-Auswertung zeigt den Fortschritt der kommunalen Wärmeplanung und macht zugleich den hohen Handlungsbedarf bei Gebäudesanierung und Wärmenetzen deutlich. mehr...