Samstag, 5. September 2026

InterviewNach vorne denken

[02.04.2013] Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig erklärt im Interview mit stadt+werk, warum es so wichtig ist, die Solarindustrie auf feste Pfeiler zu stellen und welche Maßnahmen hierfür ergriffen werden sollten.
Matthias Machnig: Die Solarwirtschaft ist eine der Zukunftsindustrien in Thüringen.

Matthias Machnig: Die Solarwirtschaft ist eine der Zukunftsindustrien in Thüringen.

(Bildquelle: Thüringer Wirtschaftsministerium)

Herr Minister, das Thüringer Wirtschaftsministerium hat im Herbst vergangenen Jahres ein Strategiepapier zur Zukunft der Solarbranche vorgelegt. Was waren die Gründe dafür, ein solches Dokument gemeinsam mit dem Kompetenznetzwerk SolarInput zu verfassen?

Vor dem Hintergrund von Dumping-Preisen aus China und Insolvenzen deutscher Unternehmen brauchen wir eine Strategie für die Solarbranche. Mit unserem Strategiepapier soll industriepolitisch nach vorne gedacht werden. Wir brauchen keine schwarz-gelben Abbruchkonzepte, sondern Ideen, die Deutschland als Standort der Erneuerbaren-Energien-Branche weltmarkttauglich machen und die Solarindustrie auf feste Pfeiler stellen. Dazu zählen zum Beispiel die Etablierung einer eigenen Marke für Photovoltaikprodukte, eine Neuausrichtung der Installationskostenförderung durch die KfW sowie ein neues Marktdesign, das geeignete Rahmenbedingungen für das Wachstum der erneuerbaren Energien schafft, sowie eine Überarbeitung und Aktualisierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Welche Handlungsfelder werden in dem Strategiepapier angesprochen?

Wir haben ein breites Spektrum an Handlungsfeldern definiert: von industriepolitischen Maßnahmen über Marktinstrumente bis hin zu Innovationen und Marktstrategien. Darunter fallen die Erweiterung von Kriterien bei der KfW-Förderung, die grundlegende Überarbeitung des EEG, um den Unternehmen Planungssicherheit zu geben und der Ausbau lokaler Vorhaben. Außerdem plädieren wir für die Gründung einer Thüringer Solargesellschaft, welche die hiesigen Unternehmen beim Sprung aufs internationale Parkett unterstützen soll. Und wir wollen den Ausbau von Forschung und Entwicklung stärken.

Wie kann die Politik die Solarbranche stärken?

Da gibt es viele Möglichkeiten: Wir haben in Thüringen spezielle Förderprogramme wie das 1.000-Dächer-Programm, mit dem wir Kommunen beim Photovoltaikausbau unterstützen, wir fördern Unternehmen, die Solarparks errichten, und wir haben kürzlich eine Studie durchgeführt, die Brachflächen benennt, auf denen potenzielle Investoren Solarfelder bauen können. Außerdem haben wir eine Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur, deren Mitarbeiter Unternehmen, Privatleute und öffentliche Einrichtungen beraten, vernetzen und informieren: sei es bei der Gründung einer Energiegenossenschaft, bei einer Investition oder der Errichtung einer Photovoltaikanlage.

Was muss darüber hinaus getan werden, um die Solarkrise zu überwinden?

Die deutsche Solarbranche muss mit vielfältigen Maßnahmen in ihrem Wachstum unterstützt werden. Wer die Energiewende will, muss in die Erneuerbaren investieren. Gleichzeitig brauchen wir Schutzmechanismen gegen den unfairen Dumping-Wettbewerb aus China. Daher habe ich die Anti-Dumping-Klage der europäischen Solarunternehmen unterstützt. Auf ein unterstützendes Signal vom Bundesumweltminister kann man da lange warten.

„Die einzelnen Energieproduzenten dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Welche Rolle spielen Solarbranche und Solarenergie für den Wirtschaftsstandort Thüringen?

Die Solarwirtschaft ist eine der Zukunftsindustrien in Thüringen mit mehreren tausend Beschäftigten und einem hohen Anteil an lokaler Wertschöpfung. Die rund 50 in Thüringen ansässigen Firmen decken die gesamte solare Wertschöpfungskette ab: von der Kristallisation und der Produktion von Wafern, Solarzellen und -modulen über die Produktion von Wechselrichtern und Steuerungselektronik bis hin zur Installation und Wartung von Photovoltaikanlagen. Der Anteil von Solarstrom an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien lag 2010 bei rund 6,5 Prozent, die installierte Leistung von Photovoltaik 2011 bei 549 MWp. Hier ist also noch kräftig Luft nach oben.

Welche Bedeutung kommt der Solarenergie im Freistaat im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen zu?

Jedes Unternehmen aus der Erneuerbaren-Energien-Branche hat seinen Wert und seine Bedeutung. Die einzelnen Branchen und Energieproduzenten dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ganz im Gegenteil: Sie müssen in ihrer Gesamtheit gestärkt werden. Das Gute an den Erneuerbaren ist, dass sie vielfältig eingesetzt werden können: die Windkraft auf offener See, an der Küste und im Flachland, die Photovoltaik in Solarparks, auf den Dächern und sogar in Handyladegeräten, dazu kommen Erdwärme, Wasserkraft und Biomasse. Die Erneuerbaren können im großen Stil ganze Städte mit Energie versorgen oder kleine Einheiten wie ein Dorf, das sich in einer Energiegenossenschaft zusammengeschlossen hat. Sie stärken die Dezentralität und damit den Wettbewerb bei der Energieversorgung. Die Bürger können selbst Energie erzeugen und von der Wertschöpfung profitieren. Neben der Nachhaltigkeit ist eben dies eine Stärke der erneuerbaren Energien.

Interview: Alexandra Reiter

Machnig, MatthiasMatthias Machnig (SPD), Jahrgang 1960, ist seit 2009 Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie des Freistaates Thüringen. Zuvor war er unter anderem Staatssekretär im Bundesverkehrs- sowie -umweltministerium, Unternehmensberater und Bundesgeschäftsführer der SPD.



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Photovoltaik | Solarthermie

Entega: Solarcarport versorgt Mainzer Arena

[31.08.2026] Vor der Mewa Arena in Mainz hat Entega einen Photovoltaik-Carport mit 605 Kilowattpeak Leistung errichtet. Die Anlage umfasst 146 Stellplätze und 28 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Die vollständige Inbetriebnahme ist für Dezember 2026 geplant. mehr...

Marburg: Ausbildung von Ehrenamtlichen für Solarberatung

[28.08.2026] Die Universitätsstadt Marburg bildet im September erneut ehrenamtliche Solarberaterinnen und -berater aus. Die kostenlosen Online-Schulungen sollen das bestehende Beratungsnetz erweitern und mehr Menschen den Weg zur eigenen Photovoltaikanlage erleichtern. mehr...

swb: Beratungstage zu Wärmepumpen, PV-Anlagen und Wallboxen

[27.08.2026] swb bietet im Herbst Beratungstage zu Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Wallboxen in Bremen und Bremerhaven an. Wer danach einen Vertrag abschließt, kann je nach Kombination von Bonus und Förderung bis zu 1.250 Euro erhalten. mehr...

Photovoltaikanlage mit zahlreichen Solarmodulen auf dem Flachdach des Freibads der Stadt Alzey.

Rheinland-Pfalz: Solarpflicht für Bestandsgebäude

[26.08.2026] Auf Kommunen kommen neue Vorgaben für die Ausstattung öffentlicher Gebäude mit Photovoltaik zu. Die Pflicht wird in den kommenden Jahren schrittweise auf bestehende Nichtwohngebäude ausgeweitet. Welche Frist gilt, richtet sich unter anderem nach der Nutzfläche. mehr...

EWE: Infoveranstaltung zur Wärmepumpen-Förderung

[25.08.2026] EWE informiert am 2. September über das Zusammenspiel von Wärmepumpe und Photovoltaik sowie aktuelle Förderbedingungen. Die Online-Veranstaltung greift auch anstehende Änderungen bei der Förderung und die Bedeutung der Einspeisevergütung für Investitionsentscheidungen auf. mehr...

BSW-Solar: EEG-Zwischenziel erreicht

[21.08.2026] Deutschland hat das EEG-Zwischenziel von 128 Gigawatt installierter Photovoltaik-Leistung für 2026 erreicht. Der BSW-Solar warnt jedoch, dass geplante Änderungen bei Förderung, Direktvermarktung und Redispatch den weiteren Ausbau bremsen könnten. mehr...

swb: Webinare rund um Wärme, Solarenergie und E-Mobilität

[14.08.2026] swb bietet im August und September kostenfreie Webinare zu Wärme, Solar und E-Mobilität an. Im Mittelpunkt stehen neue Förderbedingungen, technische Lösungen und Fragen, die für geplante Investitionen im Land Bremen relevant sind. mehr...

Sonnenfinsternis: PV-Einspeisung nur gering betroffen

[12.08.2026] Die für heute Abend angekündigte partielle Sonnenfinsternis verändert die Photovoltaik-Einspeisung in Deutschland nur geringfügig. Die Übertragungsnetzbetreiber rechnen trotz eines möglichen Rückgangs von bis zu zwei Gigawatt nicht mit Folgen für die Stromversorgung. mehr...

Bayern: Führend bei privaten PV-Anlagen

[12.08.2026] Bayern führt im ersten Halbjahr 2026 beim Solarstromertrag privater Hausdachanlagen. Eine E.ON-Auswertung von DWD-Daten zeigt, wie stark die Erträge zwischen den Bundesländern variieren und welchen Beitrag eine typische zehn-kWp-Anlage leisten kann. mehr...

naturstrom: Berliner Stadtwerke beteiligen sich an Solarpark

[07.08.2026] Die Berliner Stadtwerke beteiligen sich mit 35 Megawatt am bislang größten Solarpark der naturstrom-Gruppe bei Frankfurt (Oder). Gemeinsam planen beide Unternehmen zudem Batteriespeicher, um die Einspeisung des Solarstroms flexibler zu steuern. mehr...

Baden-Württemberg: Aktuelle Zahlen zum PV-Zubau

[30.07.2026] Der Neckar-Odenwald-Kreis führt den Photovoltaik-Zubau in Baden-Württemberg im ersten Halbjahr 2026 an. Eine neue Auswertung zeigt zugleich deutliche regionale Unterschiede, einen rückläufigen Gesamtzubau und einen anhaltenden Boom bei Balkonsolaranlagen. mehr...

AEE: Online-Seminarreihe zu Solarprojekten

[30.07.2026] Eine neue Online-Seminarreihe vermittelt Kommunen praxisnahes Wissen zur Planung und Umsetzung von Solarprojekten. Die Veranstaltungsserie startet am 1. Oktober und richtet sich auch an kommunale Unternehmen, die Photovoltaik-Projekte effizienter realisieren wollen. mehr...

Pillar: Gesetzesänderung rückt Solarcarports in den Fokus

[27.07.2026] Mit der Reform des Energiewirtschaftsgesetzes rückt Energy Sharing stärker in den Fokus. Für Kommunen und Unternehmen gewinnen deshalb Solarcarports als Flächen für die dezentrale Stromerzeugung an Bedeutung. mehr...

Blick über eine großflächige Photovoltaikanlage auf dem Flachdach eines Gewerbe- oder Industriegebäudes. Im Hintergrund sind ein markanter Schornstein, eine kuppelförmige Industrieanlage sowie weitere Gebäude und eine hügelige Landschaft unter blauem Himmel mit leichter Bewölkung zu sehen.

BSW Solar: Solarausbau wächst durch Sondereffekte

[15.07.2026] In Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 mehr Photovoltaik-Leistung installiert worden als im Vorjahreszeitraum. Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft beruht das Wachstum jedoch vor allem auf Sondereffekten. Der Verband sieht geplante Änderungen bei der Solarförderung als Risiko für den weiteren Ausbau. mehr...

Bremen: Strom aus dem Knast

[10.07.2026] Die Justizvollzugsanstalt Bremen erzeugt mit einer Photovoltaikanlage monatlich rund 4.700 Kilowattstunden Strom für ihren elektrischen Fuhrpark. Bei einem Besuch der Anlage kündigte der Bremer Senat zudem den weiteren Ausbau der Solarstromerzeugung an. mehr...