Energiewende-IndexKosten für Netzeingriffe explodieren

Offshore-Windkraft: Der Ausbau liegt über Plan.
(Bildquelle: Stadtwerke München / Paul Langrock)
Bei wichtigen Zielen der Energiewende in Deutschland wird die Schere zwischen einerseits nicht mehr erreichbaren und andererseits übererfüllten Zielen immer größer. Zu diesem Ergebnis kommt der Energiewende-Index, mit dem McKinsey & Company anhand von 15 Indikatoren den Status der Energiewende in Deutschland halbjährlich abbildet. Die aktuelle Analyse der Unternehmensberatung zeigt: Während sich beispielsweise die Kosten für Netzeingriffe und die Strompreise immer weiter von den ursprünglich gesteckten Zielen entfernen, erreicht etwa der Offshore-Wind-Ausbau Spitzenwerte weit über den geforderten Mindestmarken.
Laut der McKinsey-Analyse bleibt das Erreichen der Ziele für sieben der insgesamt 15 untersuchten Kennzahlen realistisch. Lediglich der Ausbau der Photovoltaik entwickle sich wegen der geringeren staatlichen Förderung leicht rückläufig. Beim Ausbau der Transportnetze bestehe weiterhin Anpassungsbedarf. Für sieben Indikatoren ist eine Zielerreichung unrealistisch – mit Tendenz zu weiterer Verschlechterung. Dazu gehören die Aspekte Ausstoß von CO2-Äquivalent- und Höhe der EEG-Umlage.
Zu den massivsten Veränderungen im Energiewende-Index zählt der starke Anstieg der Kosten durch Netzeingriffe. Laut McKinsey-Seniorpartner Thomas Vahlenkamp haben sich die Kosten für das Zu- und Abschalten von Kraftwerkskapazitäten (Redispatch-Maßnahmen) auf zuletzt über 400 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die wachsende Zahl der Netzeingriffe resultiere fast vollständig aus Engpässen auf den Nord-Süd-Trassen in den Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber.
Nicht nur die teuren Netzeingriffe verschlechtern die ökonomische Bilanz der Energiewende, das gelte auch für die aktuelle Strompreisentwicklung. Die Haushalts- und Industriestrompreise in Deutschland entfernen sich immer mehr vom EU-Durchschnitt. Nach Angaben von McKinsey liegt das Preisniveau für deutschen Haushaltsstrom inzwischen 42,1 Prozent über dem europäischen Durchschnitt, beim Industriestrom seien es rund 20 Prozent – mit steigender Tendenz. Auch für weitere zentrale Kenngrößen seien die Ziele der Energiewende massiv gefährdet: Der Primärenergieverbrauch sei im Analysezeitraum konjunkturbedingt um 2,3 Prozent angestiegen, der Stromverbrauch ist nur leicht gesunken. Auch die Emissionen stiegen: Mit zuletzt 925 Megatonnen ist der CO2-Ausstoß von seiner 2020-Zielmarke (750 Megatonnen) weit entfernt.
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