Samstag, 3. Oktober 2026

StudieKeine Patentlösung für grüne Wärme

[17.02.2023] Eine neue Studie für das Umweltbundesamt zeigt, welche Möglichkeiten die Energieversorger beim Ausstieg aus Gas und Kohle haben und was die Bundesregierung tun muss, um den Umbau zu beschleunigen.
Heizkraftwerk Chemnitz Nord: Dekarbonisierung durch Luftwärmepumpen möglich.

Heizkraftwerk Chemnitz Nord: Dekarbonisierung durch Luftwärmepumpen möglich.

(Bildquelle: Backe0112/https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en)

Die Fernwärmeerzeugung in Deutschland basiert heute noch zu rund 80 Prozent auf fossilen Energieträgern wie Gas und Kohle. Eine aktuelle Studie zeigt, dass es für den Umbau der Fernwärmeversorgung in den Kommunen keine „one size fits all“-Lösung gibt. Die Studie „Dekarbonisierung von Energieinfrastrukturen“ im Auftrag des Umweltbundesamts unter Federführung des ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg macht deutlich, wie stark die Planungen für das Wärmenetz der Zukunft von den lokalen Randbedingungen abhängen.

Treibhausgasneutrale Fernwärmeversorgung

Sara Ortner, Studienleiterin am ifeu, erläutert: „Um 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen, sind erneuerbare Energien in der Fernwärme ein ganz entscheidender Schritt. Allerdings gibt es für die Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien kaum Patentlösungen.“ Untersucht wurden verschiedene Möglichkeiten für sechs Fernwärmesysteme, die die Vielfalt der Wärmenetzstrukturen in Deutschland repräsentieren: Aachen, Karlsruhe, Chemnitz, Hamburg, Spremberg (Brandenburg) und Großkrotzenburg (Hessen). Sie alle sind bislang stark auf Wärme aus Kohlekraftwerken angewiesen, die sie im Zuge des Kohleausstiegs ersetzen wollen. Gemeinsam mit ihnen haben die Forscherinnen und Forscher Wege zu einer treibhausgasneutralen Fernwärmeversorgung bis 2045 untersucht.

Viele Pfade zum Kohleausstieg

Dabei zeigte sich, dass Spremberg stark auf Solarthermie und einen großen Wärmespeicher setzen könnte, der im Sommer Energie aufnehmen und im Winter wieder abgeben kann. Großkrotzenburg plant, einen Großteil der Wärme über eine Wärmepumpe mit Wasser aus dem Main zu erzeugen. Aachen könnte die Wärmeauskopplung aus einer bestehenden Müllverbrennungsanlage realisieren und in Karlsruhe könnte die zukünftige Wärmeversorgung vor allem auf industrieller Abwärme und Tiefengeothermie basieren. In Chemnitz könnten Luftwärmepumpen zum Einsatz kommen und in Hamburg wird die Nutzung einer Vielzahl unterschiedlicher Potenziale angenommen, um den sehr hohen Bedarf der Millionenstadt zu decken.

Studie empfiehlt ein Erneuerbare-Wärme-Infrastrukturgesetz

Studienleiterin Sara Ortner sagt: „Die Herausforderungen beim Aus- und Umbau der Fernwärme variieren stark in Abhängigkeit der Abnehmer, der Struktur des vorhandenen Wärmenetzes und der Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Wärme.“ Die Bundesregierung plant, dass bis 2030 bereits die Hälfte der Wärme klimaneutral erzeugt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, empfiehlt die Studie ein Erneuerbare-Wärme-Infrastrukturgesetz.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Naturstrom: Kölner Quartier wird mit Solarstrom und Wärmepumpe versorgt

[02.10.2026] Ein neues Wohnquartier in Köln-Ehrenfeld wird mit Photovoltaik und Wärmepumpen mit Strom und Wärme versorgt. Naturstrom hat das Energiekonzept für die 91 Wohneinheiten umgesetzt und bereitet zudem alle Tiefgaragenstellplätze für Wallboxen vor. mehr...

Stadtwerke Energie Jena-Pößneck: Großwärmepumpe für Abwasserwärme

[02.10.2026] Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck konkretisieren ihre Pläne, Abwasserwärme aus der Kläranlage Jena-Zwätzen für das Wärmenetz zu nutzen. Eine Investitionsentscheidung für das Projekt ANIKA soll 2027 fallen. mehr...

Kommunale Wärmeplanung: Umsetzung bleibt unverbindlich

[01.10.2026] Fast alle deutschen Großstädte haben fristgerecht eine kommunale Wärmeplanung vorgelegt. Eine Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln von 57 Wärmeplänen zeigt jedoch Grenzen des Instruments bei der Umsetzung auf. mehr...

evm/Iqony: Wärmegeschäft in Koblenz gebündelt

[30.09.2026] Energieversorgung Mittelrhein und Iqony bündeln zum 1. Oktober 2026 ihr Wärmegeschäft im Koblenzer Stadtteil Rauental. Die gemeinsame Gesellschaft Wärme Moselbogen soll die bestehenden Netze verbinden und bis 2034 rund 500 weitere Gebäude anschließen. mehr...

dena: Kommunenumfrage zur Wärmeplanung zeigt geteiltes Bild

[29.09.2026] Die kommunale Wärmeplanung kommt voran, doch die Umsetzbarkeit der Pläne wird unterschiedlich beurteilt. Eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur unter 778 Kommunen zeigt zudem Lücken bei eingeplanten Ressourcen und der angenommenen Sanierungsrate. mehr...

Fraunhofer IEG: KI-Plattform soll Wärmeplanung verständlicher machen

[29.09.2026] Das Forschungsprojekt HEATogether will eine KI-gestützte Plattform entwickeln, die Ergebnisse der Wärmeplanung für Kommunen, Energieversorger und Bürger verständlicher aufbereitet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben für drei Jahre mit rund 1,2 Millionen Euro. mehr...

Advertorial: Wärmewende für Stadtwerke finanzierbar machen – Was erfolgreiche Wärmeprojekte ausmacht

[24.09.2026] Die Wärmewende erfordert von Stadtwerken enorme Investitionen – und häufig wird ausgerechnet das knappe Eigenkapital zum Engpass. Wie sich Wärmeprojekte dennoch finanzieren und bis zur Investitionsreife entwickeln lassen und welche Rolle starke Partner dabei spielen, zeigt die Steag Iqony Group. mehr...

Stuttgart: Rechenzentrum versorgt Wärmenetz

[24.09.2026] Im Stuttgarter Synergiepark ist eine neue Wärmeversorgung mit Abwärme aus einem Rechenzentrum in Betrieb gegangen. Das Gebäudenetz soll jährlich rund fünf Gigawattstunden Wärme liefern und bildet den Ausgangspunkt für den weiteren Ausbau der Wärmeversorgung im Quartier. mehr...

Tettnang: Nahwärmenetz geht in Betrieb

[24.09.2026] In Tettnang ist nach 14 Monaten Bauzeit das neue Nahwärmenetz schrittweise in Betrieb gegangen. Die ersten öffentlichen und privaten Gebäude werden seit Mitte September mit Wärme aus regionalen Holzhackschnitzeln versorgt. mehr...

Stadtwerke Münster: Zweite Großwärmepumpe ist in Betrieb

[23.09.2026] Die Stadtwerke Münster haben am Stadthafen ihre zweite Großwärmepumpe in den Regelbetrieb genommen. Die Anlage nutzt Wärme aus dem Dortmund-Ems-Kanal und soll mit zwei Megawatt Leistung Fernwärme für rund 800 Haushalte erzeugen. mehr...

Baden-Württemberg: Aquathermie bietet großes Potenzial

[22.09.2026] Ein Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) sieht in Flüssen und Seen ein erhebliches Potenzial für die Wärmeversorgung in Baden-Württemberg. Bis 2030 könnten Gewässerwärmepumpen demnach jährlich mindestens 2,5 Terawattstunden Wärme bereitstellen. mehr...

Waldalgesheim: Solarthermie ergänzt Nahwärmenetz

[22.09.2026] Waldalgesheim erweitert sein seit mehr als 20 Jahren bestehendes Nahwärmenetz um eine Solarthermieanlage. Sie soll künftig rund 26 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs decken und den Verbrauch von Holzhackschnitzeln reduzieren. mehr...

Blick über den Main auf die Frankfurter Skyline. Im Vordergrund überquert eine Straßenbahn auf einer Brücke den Fluss, dahinter erheben sich die Hochhäuser der Innenstadt und der Frankfurter Dom.

Frankfurt am Main: Wärmeplan laut Gutachten rechtswidrig

[21.09.2026] Ein vom Bündnis Wärmewende Frankfurt am Main beauftragtes Rechtsgutachten sieht rechtliche Mängel im kommunalen Wärmeplan der Stadt. Das Bündnis fordert deshalb Nachbesserungen vor der geplanten Beschlussfassung am 1. Oktober. mehr...

NRW.Energy4Climate: Wärmewende in Ostwestfalen-Lippe

[21.09.2026] Kommunen und Stadtwerke haben sich in Lemgo über Wege zu einer bezahlbaren und verlässlichen Wärmeversorgung ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen die kommunale Wärmeplanung sowie Projekte aus Ostwestfalen-Lippe, die unterschiedliche Ansätze für die Wärmewende verfolgen. mehr...

Pumpen in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage

VKU: Stadtwerke zweifeln an Wärmewende-Ziel für 2045

[17.09.2026] Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt erhebliche Zweifel kommunaler Wärmeversorger am Zeitplan der Wärmewende. Drei Viertel der Befragten halten klimaneutrales Heizen bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. mehr...