InterviewButtenwiesen zeigt die Energiewende

Norbert Beutmüller: „Die Gemeinde Buttenwiesen hat sich durch ihre Vorreiterrolle zwischenzeitlich überregional ein positives Image erarbeitet.“
(Bildquelle: Gemeindeverwaltung Buttenwiesen)
Herr Bürgermeister Beutmüller, Buttenwiesen hat im Jahr 2013 die regenerative Energiegewinnung im Gemeindegebiet erneut steigern können. Ist für das Jahr 2014 ein ähnlicher Trend zu verzeichnen?
Seit 2005 haben sich in der Gemeinde Buttenwiesen die Strommengen aus erneuerbaren Energieträgern kontinuierlich nach oben entwickelt. Auch 2014 wird es nochmals eine deutliche Aufwärtsentwicklung geben, da im März drei Windkraftanlagen ans Netz gegangen sind. Nach 2015 muss aber aufgrund der aktuellen politischen Entwicklung von einer Stagnation ausgegangen werden.
Neben der zunehmend regenerativen Stromerzeugung ist außerdem der Energieverbrauch zurückgegangen. Was hat Ihrer Meinung nach dazu beigetragen?
Dazu haben unter anderem die Auslobung eines Stromsparpreises, die monatlichen Informationen im Rathausbrief, eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit, verbesserte Verbrauchergeräte, Strompreissteigerungen und die wirtschaftliche Entwicklung beigetragen. Auf dieser Basis ist ein Prozess angelaufen, der das Bewusstsein der Bevölkerung verändert hat unter dem Motto: „Strom, der nicht verbraucht wird, muss gar nicht erst erzeugt werden!“
Welche regenerativen Energiequellen nutzt Buttenwiesen?
Neben der Wind-, Sonnen- und Wasserkraft wird in Buttenwiesen auch Biomasse zur Energiegewinnung eingesetzt. Verarbeitet werden Holz, Mais, Elefantengras, Grünschnitt und Gülle. Außerdem wird die Abwärme von Biogasanlagen zur gemeindlichen Wärmeversorgung verwendet. In Privathaushalten sind Wärmepumpen installiert. Aber auch Pellets, Scheitholz und Hackschnitzel tragen zur Wärmeversorgung in der Gemeinde bei.
Wer investiert in der Gemeinde Buttenwiesen in die erneuerbare Energiegewinnung?
Neben Privathaushalten investieren ein weltweit tätiger örtlicher Land- und Energiewirt, ein Bürgersolarverein, die Landwirte als Biogasbauern, Forstwirte, Bürger mit Wasserkraftkleinanlagen und ein auswärtiger Investor. Die gemeindliche Renergiewerke GmbH investiert in die Wärmeversorgung. Aber auch die Gemeinde Buttenwiesen leistet mit Vorbildfunktion und politischer Entscheidung ihren Beitrag.
Was hat in Buttenwiesen den Anstoß gegeben, sich regenerativ aufzustellen?
Bereits während des Kampfs gegen ein Atomkraftwerk in den 1980er- und 1990er-Jahren auf unserer Gemeindeflur wurden Argumente für die erneuerbaren Energien diskutiert. Im Jahr 2007 war der Gemeinderat in Klausur. Dabei hat er den Klimaschutz und die regenerativen Energien in den Mittelpunkt gestellt, mit dem Ziel, bis 2015 rechnerisch von der zentralen Stromversorgung unabhängig zu sein. Dieses Ziel haben wir bereits zum Jahresbeginn 2013 erreicht.
„Klimaschutz und Energiewende leben von der Akzeptanz im Kleinen.“
Welche Hindernisse mussten die Beteiligten überwinden?
Vorurteile, Gewohnheiten, Neid, Skepsis und – nicht zu unterschätzen – die politischen und wankelmütigen Rahmenvorgaben, machten und machen die dezentrale Energieversorgung zu einer immer schwierigeren Herkulesaufgabe. Es ist ein Glück, dass Buttenwiesen schon lange vor den Ereignissen in Fukushima eine Vorreiterrolle eingenommen hatte.
Wie profitiert die Gemeinde und wie profitieren die Bürger vom regenerativ erzeugten Strom?
Die Gemeinde hat sich durch ihre Vorreiterrolle zwischenzeitlich überregional ein positives Image erarbeitet. Die Infrastruktur wurde gestärkt, das Bewusstsein der Bevölkerung verändert sich und Arbeitsplätze wurden erhalten und ausgebaut. Außerdem ist eine klare Wertschöpfung für alle Beteiligten messbar. Die Gemeinde kann mit innovativen Ideen, etwa dem Aufbau einer eigenen Stromversorgung, mit Preisstabilität und nachhaltiger gemeindlicher Wärmeversorgung, einen unabhängigeren Standortvorteil entwickeln und somit zukunftsfähige Lebensqualität bieten.
Welchen Beitrag leisten die Renergiewerke Buttenwiesen zur regenerativen Energiegewinnung in der Kommune?
Mit den Renergiewerken bauen, unterhalten und betreiben wir für unsere Bürger ein Wärmenetz. Dieses bezieht überwiegend Abwärme aus Biogasanlagen und ist somit nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Auch eine eigene Stromproduktion und -versorgung mit Erneuerbaren sind mit den Renergiewerken möglich. Letztlich ist all das denkbar, was Stadtwerke leisten können – lediglich durch ihre Struktur können die Renergiewerke viel individueller agieren.
Wie wirkt sich das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz auf die Pläne der Kommune aus?
Jedes Gesetz sollte der Zeit angepasst werden. Die Novellierung ist also notwendig. Lediglich die Diskussion um die so genannte 10H-Regelung zum Abstand eines Windrads zur Wohnbebauung schadet in Bayern und somit in Buttenwiesen schwer der Energiequelle Wind.
Was empfehlen Sie anderen Kommunen, die ebenfalls in die regenerative Zukunft starten wollen?
Letztlich leben Klimaschutz und Energiewende von der Akzeptanz im Kleinen. Sie können nur erfolgreich sein, wenn die Kommunen die Vorreiterrolle übernehmen. Hierzu ist Verlässlichkeit von Oben notwendig. Jede Gemeinde braucht neben einem überzeugten Bürgermeister einen Gemeinderat, der nicht nur berät, sondern entscheidet, umsetzt und bei seiner Linie bleibt. Je später man anfängt, desto länger und schwieriger ist und wird der Weg. Ich sage immer: Es ist unsere Aufgabe, unseren Kindern und Enkelkindern ein so gutes Leben zu ermöglichen, wie wir es selbst haben.
Dieses Interview ist in der Ausgabe Januar/Februar von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
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