Freitag, 4. September 2026

BeratungZwei Seiten einer Medaille

[26.08.2019] Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt Veränderungen für die Natur und die Lebensumwelt der Bürger mit sich. Die Umsetzung der Vorhaben ist deshalb häufig umstritten. Konfliktberatung, etwa für den Windparkbau, bietet das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende.
Mediatoren vermitteln zwischen den Beteiligten.

Mediatoren vermitteln zwischen den Beteiligten.

(Bildquelle: Shawn Hempel/Fotolia.com)

Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien birgt Konfliktpotenzial. Im Mittelpunkt der Konflikte stehen nach Erfahrung des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE) häufig Eingriffe in Natur und Landschaft. Dabei wird öffentlich infrage gestellt, ob die räumliche und technische Planung gewährleistet, dass das ökologische System vor Ort in der Lage ist, den Eingriff aufzufangen und ein Tötungsrisiko geschützter (Tier-)Arten möglichst ausgeschlossen wird. Damit verbunden ist ein entsprechend zäher Aushandlungsprozess darüber, wie die technische Umsetzung gestaltet sein muss, damit der Naturhaushalt mit seinen Tier- und Pflanzenpopulationen in die Lage versetzt wird, widerstandsfähig auf den Eingriff reagieren zu können, um seine Vitalität zu erhalten.

Verschiedene Konfliktthemen

Die Fallberatungen des KNE zeigen, dass sich die naturschutzrelevanten Konfliktthemen je nach Energieträger und Technologie erheblich unterscheiden. In Bezug auf Windenergie stehen die Gefahr der Kollision von Greifvögeln, anderen Vogelarten und Fledermäusen mit Rotorblättern, drohender Habitatverlust durch die Anlagen und Infrastruktur – insbesondere im Wald – sowie die Errichtung vielfach bis zu 200 Meter hoher vertikaler Strukturen in Offenlandschaften im Mittelpunkt des lokalen Widerstands. Bei der Solarenergie sind es Veränderungen der für Tier- und Pflanzenarten zur Verfügung stehenden Flächen durch die Überdeckung mit Photovoltaikmodulen. Konflikte um Biogas bewegen sich neben einer Auseinandersetzung über den natur- und umweltverträglichen Energiepflanzenanbau um Themen wie Geruchsbelästigung, Lärm sowie die verstärkte Beanspruchung von Straßen und Wirtschaftswegen durch die Anlieferung des Gärmaterials für die Biogasanlage. Im Bereich der Wasserkraft schließlich stehen Konflikte oft im Zusammenhang mit dem Schutz der Fischpopulation, der Mindestwasserführung und mit der Vorgabe, durch geeignete Einrichtungen und Betriebsweisen die Durchgängigkeit des Gewässers zu erhalten oder wiederherzustellen, etwa durch Fischaufstiegs- und -abstiegshilfen.
Die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds ist neben der Sicherung der Funktionen des Naturhaushalts das zweite wesentliche Moment in Energiewende-Konflikten. Windenergieanlagen, flächenintensive Photovoltaikanlagen, Vermaisung durch intensiven Anbau von Energiepflanzen sowie Zerschneidungseffekte durch Stromtrassen verändern das Landschaftsbild. Darüber hinaus kommen vor Ort häufig weitere individuelle Interessen ins Spiel. Dazu zählen unter anderem die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Schallemissionen und Schattenwurf von Windenergieanlagen, die Sorge um den Wert der eigenen Immobilie in Nachbarschaft zum Windpark, die Ungleichverteilung direkter finanzieller Vor- und Nachteile durch die Pachtzahlungen für die Standortflächen sowie die fehlende regionale Teilhabe am Betrieb einer Anlage oder eines Windparks. Die Bereitschaft aller beteiligten Akteure, sich an einen Tisch zu setzen und konstruktiv miteinander zu verhandeln, wird auf eine oftmals harte Probe gestellt.

Lösungsorientierter Dialog

Zusätzlich angeheizt werden kann ein Konflikt durch fehlende Kommunikation zwischen den professionellen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, mangelnde Informationspolitik sowie die als ungenügend wahrgenommene Beteiligung im Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gegenseitiges Vertrauen und der Glaube an ein gerechtes Verfahren werden infrage gestellt. Sprechen die Beteiligten in solch zugespitzten Situationen nicht miteinander, eskalieren die Konflikte schnell. Debatten verhärten sich, erste Spannungen treten auf und verschiedene Positionen stehen sich in aller Öffentlichkeit vermeintlich unvereinbar gegenüber. Die Meinungen werden fundamentaler, grundsätzlicher und allgemeinpolitisch. Die Beteiligten prallen mit ihren Standpunkten aufeinander, die Fronten verhärten sich und die Zeichen stehen eher auf Kampf als auf Kooperation und Verhandlung. Aufgabe eines neutralen Konflikt-Managements ist es daher, alle involvierten Akteure zurück an einen Tisch und in einen lösungsorientierten Dialog zu bringen.

Einvernehmliche Klärung

Gemeinsame, sachangemessene Lösungen zu finden, potenziellen Konflikten frühzeitig vorzubeugen und bei der Klärung eskalierter Auseinandersetzungen zu helfen, sind die Aufgaben des vor rund drei Jahren gegründeten und bundesweit tätigen KNE. Es unterstützt einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien und ist für alle Akteure ein unabhängiger und neutraler Ansprechpartner für die Lösung von Konflikten im Spannungsfeld von Energiewende sowie Natur- und Umweltschutz. Die Konfliktberatung gestaltet Aushandlungsprozesse vor Ort. Sie nimmt die Interessen aller beteiligten Akteure gleichermaßen in den Blick und zielt auf eine einvernehmliche Klärung der Konfliktsituation ab. Dazu gehört die gemeinsame Beratung von Naturschutzverbänden, Vorhabenträgern und Kommunen ebenso wie die Einzelberatung von Akteuren und Anwohnern vor gemeinsamen Gesprächsterminen. Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende übernimmt auch die Moderation von nicht-öffentlichen Konfliktgesprächen. Für die Moderation und eine intensivere Bearbeitung von Konflikten stehen mehr als 50 vom KNE speziell fortgebildete Mediatoren in allen Regionen Deutschlands zur Verfügung.
Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende trägt mit seinen Angeboten zur Umsetzung einer natur- und umweltverträglichen Energiewende bei. Im konkreten Konfliktfall bietet es aber eine ergebnisoffene Beratung, mit dem zentralen Ziel, dass die Akteure eine einvernehmliche Lösung finden.

Dr. Bettina Knothe

Knothe, Dr. BettinaDr. Bettina Knothe leitet die Abteilung Konfliktberatung des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE). Sie ist promovierte Biologin (Fach Umweltplanung) und lizensierte Mediatorin des Bundesverbands Mediation.



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Windenergie

Artenschutz: Erprobung von Anti-Kollisionssystem

[03.09.2026] Das ZSW erprobt ein mobiles, KI-gestütztes Anti-Kollisionssystem für Vögel und Fledermäuse an Windenergieanlagen. Gemeinsam mit ABO Energy soll der Bird- und BatRecorder 2.0 unter realen Bedingungen Daten für einen artenschutzgerechteren Windparkbetrieb liefern. mehr...

Bundesregierung: Windenergie-auf-See-Gesetz beschlossen

[03.09.2026] Das Bundeskabinett hat die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen. VKU und BDEW begrüßen wichtige Änderungen, fordern aber Nachbesserungen bei Ausschreibungen, Netzanbindung und bereits vergebenen Projekten. mehr...

Luftaufnahme einer Windenergieanlage inmitten einer ländlichen Landschaft mit Feldern und Waldflächen. Im Hintergrund sind weitere Windräder zu sehen.

JUWI: Fünf neue Anlagen am Netz

[01.09.2026] Im Landkreis Warendorf speisen fünf neue Windenergieanlagen Strom ins Netz ein. Der Windpark Sassenberg-Füchtorfer Moor II soll jährlich knapp 70 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. mehr...

Trianel: Windpark Borkum stabilisiert Stromnetz

[31.08.2026] Der Trianel Windpark Borkum I nimmt mit rund 70 Megawatt Leistung am Regelenergiemarkt teil. Seit Juli 2026 stellt der Offshore-Windpark negative Sekundärregelleistung bereit und kann dafür seine Einspeisung auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers automatisch reduzieren. mehr...

Schleswig-Holstein: Zehn GW Windenergieleistung an Land

[27.08.2026] Schleswig-Holstein hat erstmals mehr als zehn Gigawatt Windenergieleistung an Land installiert. Das Land will den Ausbau nun mit Blick auf die geplante EEG-Novelle weiter absichern. mehr...

bericht

Windenergie: Richtung tragfähiger Märkte

[25.08.2026] In einem schwierigen Marktumfeld stellt sich das Unternehmen JUWI neu auf und setzt auf Effizienz und internationale Wachstumsprojekte. Dazu gehören eine neue Organisationsstruktur sowie die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle. mehr...

Windenergie-auf-See-Gesetz: VKU fordert Ausbau mit Augenmaß

[19.08.2026] Der VKU fordert für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie mehr Wettbewerb und eine stärkere Orientierung am tatsächlichen Stromertrag. Zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes schlägt der Verband unter anderem ein niedrigeres Ausbauziel und kleinere Ausschreibungsflächen vor. mehr...

bericht

Windenergie: Akzeptanz schaffen

[17.08.2026] Mit dem Windprojekt Schäferköppel realisiert Mainova derzeit den ersten Windpark auf Frankfurter Gemarkung. Das Projekt zeigt, welche Rolle interkommunale Zusammenarbeit, regionale Verankerung und Bürgerbeteiligung für den Ausbau erneuerbarer Energien spielen. mehr...

EnBW: Bau von Offshore-Windpark abgeschlossen

[17.08.2026] Beim Offshore-Windpark He Dreiht sind alle 64 Windkraftanlagen mit jeweils 15 Megawatt Leistung installiert. Der 960-Megawatt-Park soll noch im Spätsommer vollständig in Betrieb gehen, allerdings läuft nach einem Rotorblattschaden Ende Juli noch eine Untersuchung. mehr...

bericht

Windenergie: Weniger ist mehr

[12.08.2026] Der Repowering-Windpark Elster zählt zu den größten Projekten dieser Art in Europa. Er zeigt, wie Kommunen, Betreiber und regionale Energieakteure bestehende Windstandorte neu bewerten können. mehr...

Kreis Steinfurt: Bürgerwind sichert Wertschöpfung vor Ort

[11.08.2026] Im Kreis Steinfurt soll Bürgerwind dafür sorgen, dass ein größerer Teil der Wertschöpfung aus Windenergie in der Region bleibt. Kommunen, Bürger, Banken und Unternehmen sind dabei über ein regionales Netzwerk in die Projekte eingebunden. mehr...

Rheinland-Pfalz: Kommunale Anstalt für Flächenpooling

[11.08.2026] Die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern bündelt Flächen für den Ausbau der Windenergie und hat dafür eine kommunale Anstalt gegründet. Mehr als 80 Verhandlungsmandate stärken die Position der Kommune gegenüber Projektentwicklern und sollen regionale Wertschöpfung sichern. mehr...

bericht

Dardesheim: Glücksfall Windpark

[10.08.2026] Windenergie schafft Akzeptanz, wenn ihre Wertschöpfung vor Ort ankommt. Der BürgerEnergiePark Druiberg in Dardesheim zeigt, wie kommunale Förderung, Bürgerstrom und finanzielle Beteiligung ein nahezu konfliktfreies Repowering-Projekt möglich machen. mehr...

Ingstetten: Repowering von Windpark

[10.08.2026] Qualitas Energy hat mit dem Repowering des Windparks Ingstetten in Baden-Württemberg begonnen. Sechs neue Windenergieanlagen mit zusammen 42 MW Leistung sollen ab Ende 2027 deutlich mehr Strom liefern als die bisherigen Anlagen. mehr...

Advertorial: WindEnergy Hamburg 2026 – Lösungen für die Energieversorgung von morgen

[05.08.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien stellt Stadtwerke, Netzbetreiber und Energieversorger vor neue Herausforderungen. Themen wie Netzausbau, Energiespeicherung, Wasserstoff und Digitalisierung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Vom 22. bis 25. September 2026 bringt die WindEnergy Hamburg die internationale Windenergiebranche zusammen und bietet eine Plattform für den Austausch über Lösungen für eine sichere, nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. mehr...