Freitag, 4. April 2025

EnergiekonzeptHessischer Dreiklang

[13.09.2012] Hessen hat ein Gesetz erarbeitet, um die Umstellung der Energieversorgung zu begleiten. Es ist Teil eines Dreiklangs, mit dem die Landesregierung die Energiewende gestalten möchte.
Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich: Die Energiewende ist eine epochale Aufgabe.

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich: Die Energiewende ist eine epochale Aufgabe.

(Bildquelle: HMUELV)

Die Energiewende ist eine notwendige, eine epochale Aufgabe. Sie erfordert das Zusammenwirken aller Beteiligten. Bund, Länder, Kommunen und jeder einzelne Bürger müssen an einem Strang ziehen. Bei der Frage, wie diese Aufgabe bewältigt werden kann, geht es nicht um die schnellste, sondern um die klügste Lösung.
Damit Energie für ein wirtschaftlich starkes Land wie Hessen bezahlbar und verfügbar bleibt, ist eine intelligente Lösung für die Umstellung auf erneuerbare Energien gefragt. Die Politik schafft dazu die Rahmenbedingungen. Ministerpräsident Volker Bouffier hat den Hessischen Energiegipfel einberufen und damit einen bundesweit beispielhaften Prozess gestartet. Innerhalb weniger Monate haben Vertreter aller Landtagsfraktionen und verschiedenster Verbände Empfehlungen ausgearbeitet, welche die Grundlage für die Energiewende in Hessen bilden sollen. Auf einem breit angelegten Konsens wurden ambitionierte Ziele vereinbart: die Erzeugung der Energie für Strom und Wärme bis 2050 möglichst zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz unter anderem durch die Erhöhung der jährlichen Sanierungsrate im Wohnungsbestand auf mindestens 2,5 bis 3 Prozent.
Um diese Ziele umzusetzen, hat die Landesregierung ein umfangreiches Maßnahmenkonzept aufgelegt. Grundlage ist der Dreiklang aus informieren, beraten und fördern. Die Information steht an erster Stelle, weil sie die Basis bildet für die Akzeptanz erneuerbarer Energien. Die gezielte Beratung ist das zweite Standbein der hessischen Initiativen, weil dadurch Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz angestoßen werden. Drittes Standbein des Umsetzungskonzepts ist die zielgerichtete Förderung.
Wichtiger Bestandteil des Dreiklangs ist das Hessische Energiezukunftsgesetz, das Ende Mai in den Landtag eingebracht wurde. Es verankert die definierten Ziele, passt die bisherige Förderstruktur an die modernen Formen der Energieerzeugung und -nutzung an und sieht ein umfangreiches Energie-Monitoring zur Begleitung der Energiewende vor. Darüber hinaus wird die Selbstverpflichtung des Landes im Bereich der Energieeffizienz festgeschrieben. Das Gesetz geht über die Empfehlungen des Energiegipfels hinaus. Dazu zählen beispielsweise die Änderung der Bauordnung im Hinblick auf die Genehmigungsfreiheit von Kleinwindkraftanlagen bis zehn Meter Höhe in Industrie- und Gewerbe­gebieten (oder in damit vergleichbaren Gebieten) sowie die Änderung der Kompensationsverordnung im Hinblick auf die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch masten­ähnliche Eingriffe.
Die hessische Landesregierung sieht den Schlüssel für das Gelingen der Energiewende in der Schaffung von Anreizen und nicht in Zwangsmaßnahmen oder Überregulierung. Für Anreize sorgen dabei nicht nur finanzielle Förderungen, sondern auch Transparenz und die Vereinfachung von Verfahren. Das Gesetz ist somit ein wichtiger Schritt in Richtung einer sicheren, bezahlbaren, umweltfreundlichen und gesellschaftlich akzeptierten Energieversorgung der Zukunft.

Neue Wege gehen

Eine entscheidende Rolle bei der Energiewende kommt den Kommunen und den kommunalen Energieversorgern zu. Das Energiezukunftsgesetz räumt den Kommunen umfangreiche Fördermöglichkeiten für Investitionen im kommunalen Gebäudebestand ein. Auf diese Weise können sie selbst von Maßnahmen profitieren, die der Reduzierung des Endenergieverbrauchs, dem Einsatz erneuerbarer Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung oder der Begrenzung der klimarelevanten Emissionen dienen. Zudem genießen Kommunen eine hohe Glaubwürdigkeit bei der Bevölkerung und können somit als Vorbild dienen, entsprechende Investitionen auch im privaten Bereich zu tätigen.
Da aufeinander abgestimmte Maßnahmen Erfolg versprechen, werden kommunale Energie- und Klimaschutzkonzepte, Energieeffizienzpläne und Konzepte zur Erzeugung und Verteilung von erneuerbaren Energien ebenfalls gefördert. Somit hat es jede Kommune selbst in der Hand, angepasst an die spezifischen Gegebenheiten vor Ort, Energieeinsparungen und Alternativen zur Bereitstellung von Nutzenergie für Gebäude oder Anlagen vorzusehen.
Das Land geht ebenfalls neue Wege. Die Mikro-KWK-Technologie ermöglicht in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie kleinen Gewerbebetrieben Energieeinsparungen von 10 bis über 30 Prozent. Um den Ausbau dieser Technologie voranzutreiben, ist im Juni eine Initiative gestartet worden, die kleine Blockheizkraftwerke in einem Contracting-Verfahren anbietet und finanziell unterstützt. Die beteiligten Partner – Stadtwerke, lokale Gasversorger und Hersteller – verfügen über das notwendige Fachwissen bei der Betreuung derartiger Systeme und stellen sicher, dass das finanzielle Risiko und der Aufwand für die Hausbesitzer in einem überschaubaren Rahmen bleiben. Die Initiative belegt, wie wertvoll es ist, Akteure, Wissens­träger und Nutzer zusammenzubringen.

Bürger mitnehmen

Der Erfolg und die Geschwindigkeit der Energiewende werden in hohem Maße davon abhängen, ob sich die Gesellschaft mit dem Ziel und den dafür notwendigen Maßnahmen identifiziert. Die Zusammenhänge zu erläutern ist eine wichtige Aufgabe der Politik. Nur wenn diese klar sind, ist der Einzelne bereit, seinen Beitrag zur Verringerung des Energieverbrauchs und zum Einsatz erneuerbarer Energien zu leisten. Dabei gilt es, nicht allein den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, sondern eine kontinuierliche und gleichmäßige Entwicklung von Netzen, Speichermöglichkeiten und erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Studien belegen, dass 98 Prozent der Bevölkerung dem Ausbau der erneuerbaren Energien positiv gegenüberstehen. Wenn es jedoch konkret wird, gibt es häufig Vorbehalte. Deshalb ruht sich die hessische Landes­regierung nicht auf Umfragen aus, sondern nimmt alle Bürger mit in das neue Energiezeitalter.

Lucia Puttrich ist Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Thüga: Kritik an Plänen der BNetzA

[02.04.2025] Die Pläne der Bundesnetzagentur zur Regulierung der Stromnetzbetreiber stoßen auf scharfe Kritik: Laut Thüga würden sie die Renditen drastisch senken und Investitionen in den Netzausbau erschweren. mehr...

interview

Interview: Weiterbildung als Renditebringer

[31.03.2025] Die kommunale Versorgungswirtschaft ist vom Fachkräftemangel stark betroffen. Warum Weiterbildungsmaßnahmen gerade in dieser Situation eine strategische Notwendigkeit sind, erklärt Christina Zenke, Leiterin der VKU Akademie, im Interview mit stadt+werk. mehr...

Lausitz: Bewerbung als Net Zero Valley in Brüssel

[24.03.2025] Die Lausitz strebt an, Europas erstes Net Zero Valley zu werden. In Brüssel präsentierten Vertreter der Region gemeinsam mit den Staatssekretären Sachsens und Brandenburgs ihre Bewerbung für das EU-Programm, das saubere Technologien und nachhaltige Industrien fördert. mehr...

Metropolregion Nordwest: Förderung von Projekten zur Energietransformation

[12.03.2025] Die Metropolregion Nordwest fördert mit insgesamt 500.000 Euro sechs innovative Projekte zur Energietransformation. Dabei stehen der Einsatz Künstlicher Intelligenz, die Fachkräftegewinnung, der Netzausbau sowie die Akzeptanzsteigerung der Energiewende im Fokus. mehr...

VKU: Neustart der Energiewende gefordert

[11.03.2025] Der VKU fordert einen Neustart der Energiewende mit einem klaren Fokus auf Kosteneffizienz. In einem aktuellen Positionspapier schlägt der Verband konkrete Maßnahmen vor, um steigende Netzentgelte zu begrenzen, die Finanzierung der Wärmewende zu sichern und den Ausbau erneuerbarer Energien systemdienlicher zu gestalten. mehr...

Wärmewende: Verbände appellieren an neue Bundesregierung

[05.03.2025] Ein breites Bündnis von Verbänden fordert die Politik auf, die Wärmewende mit klaren und verlässlichen Rahmenbedingungen voranzutreiben. In einem gemeinsamen Appell drängen sie auf eine sozialverträgliche und praxistaugliche Strategie, um die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zu beschleunigen. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Förderung für Projekt zur Bioökonomie

[28.02.2025] Mit dem Transformationscluster BioökonomieREVIER erhält das Rheinische Revier eine zentrale Plattform für die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich der Bioökonomie. mehr...

EU: Stellungnahmen zum Clean Industrial Deal

[28.02.2025] Der von der EU-Kommission vorgestellte Clean Industrial Deal soll Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Industrie klimaneutral umgestalten. Unterschiedliche Stellungnahmen hierzu haben jetzt Thüga, Bitkom und BEE abgegeben. mehr...

BDEW: Verband fordert klare Energiepolitik

[24.02.2025] Nach der gestrigen Bundestagswahl zeichnet sich eine Koalition aus CDU/CSU und SPD ab. Die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae, mahnt zügige Verhandlungen an und fordert eine entschlossene Energiepolitik. mehr...

Das Bild zeigt die Titelseite des dena-Impulspapiers „Zwölf Leitplanken für die nächste Legislatur“.

dena: Klare Regeln für die Energiewende

[19.02.2025] Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat ein Impulspapier mit Empfehlungen für eine konsequente Energie- und Klimapolitik vorgelegt. Sie fordert verlässliche Rahmenbedingungen, eine bessere Abstimmung zwischen den politischen Ebenen und eine gesicherte Finanzierung der Energiewende. mehr...

Schleswig-Holstein: Zentrum für Energiewendeforschung gegründet

[14.02.2025] Schleswig-Holstein hat zum Jahresbeginn 2025 ein Landeskompetenzzentrum Energiewendeforschung eingerichtet. Es soll die Energiewendeforschung im Land bündeln, Innovationen vorantreiben und eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen Begleitung der Transformation zur Klimaneutralität spielen. mehr...

BDEW: „Energie, die Zukunft schafft“

[12.02.2025] Der BDEW gibt Handlungsempfehlungen zur Bundestagswahl und für die neue Bundesregierung. Wichtige Punkte sind: das Gesamtsystem in den Blick nehmen, Effizienzpotenziale heben, Weichen für neue steuerbare Leistung jetzt stellen und Versorgungssicherheit gewährleisten. mehr...

Das Bild zeigt eine Windkraftanlage im Bau. Der Turm steht schon, im Vodergrund liegen Rotoren.

Rheinland-Pfalz: Erneuerbare gewinnen an Fahrt

[29.01.2025] Beim Ausbau der erneuerbaren Energien hat Rheinland-Pfalz seine Ziele für 2024 übertroffen. Mit deutlichen Zuwächsen bei Wind- und Solarenergie sieht sich das Land auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040. mehr...

Bundestag: Einigung über einige Energiegesetze

[27.01.2025] Der BDEW begrüßt die fraktionsübergreifende Einigung bei zentralen Energiegesetzen durch SPD, Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU. mehr...

Wolfsburg: Entwurf zur Ausweisung neuer Windenergieflächen liegt vor

[21.01.2025] Der Regionalverband Großraum Braunschweig hat einen ersten Entwurf zur Ausweisung neuer Windenergieflächen vorgelegt. In Wolfsburg stehen dabei drei mögliche Erweiterungsgebiete im Fokus, deren Bewertung nun durch Stadtverwaltung und Politik erfolgt. mehr...