Montag, 11. Dezember 2017

Studie:
Versteckte Kosten für Kohle und Atom


[13.10.2017] Durch ihre versteckten Zusatzkosten in Milliardenhöhe verursachen konventionelle Energieträger wie Kohle und Atomkraft weit höhere Kosten als erneuerbare Energien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag von Greenpeace Energy.

Konventionelle Energieträger wie Kohle und Atom verursachen im Jahr 2017 eineinhalb mal höhere Kosten als erneuerbare Energien. Das hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy berechnet. Wie Greenpeace Energy mitteilt, betrugen demnach die versteckten Zusatzkosten, die nicht auf den Strompreis umgelegt werden, für konventionelle Energien rund 38 Milliarden Euro. Die EEG-Differenzkosten, die per Umlage auf die Verbraucher umgelegt werden, werden hingegen auf rund 24,5 Milliarden Euro geschätzt. Für die Studie haben die Wissenschaftler sämtliche staatlichen Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und gesamtgesellschaftlichen Belastungen durch Umwelt- oder Gesundheitsfolgen der verschiedenen Energieträger miteinander verglichen. Würden die Belastungen des Staatshaushalts sowie die externen Kosten durch konventionelle Energien nach EEG-Methode auf die Verbraucher verteilt und auf der Stromrechnung ausgewiesen, läge eine solche Konventionelle-Energien-Umlage im Jahr 2017 bei bis zu 11,5 Cent pro Kilowattstunde. „Im kommenden Jahr dürfte die gesamtgesellschaftliche Belastung durch Kohle- und Atomkraft in einer ähnlichen Größenordnung liegen – und damit die aktuell geschätzte Höhe der EEG-Umlage ebenfalls um rund die Hälfte übersteigen“, sagt Studienautor Rupert Wronski vom FÖS.

Gleiche Bedingungen ermöglichen

„Dass Atom- und Kohlekraftwerke einen Gutteil der von ihnen verursachten Kosten nicht einpreisen müssen, stellt eine eklatante Marktverzerrung zu Lasten der erneuerbaren Energien, aber auch aller Verbraucherinnen und Verbraucher dar“, kritisiert Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. Um allen Energieträgern die gleichen Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen, empfehlen die Autoren der FÖS-Studie unter anderem die Subventionen für klimaschädliche Energieträger zu streichen und einen nationalen Mindestpreis für CO2-Emissionen einzuführen. „Vorerst jedoch muss die EEG-Förderung unbedingt erhalten bleiben, um die Benachteiligung der Erneuerbaren durch versteckte Kohle- und Atomsubventionen wenigstens teilweise abzumildern – und damit unterm Strich höhere Energiekosten zu verhindern“, so Keiffenheim. Die Diskrepanz wird laut Greenpeace Energy auch mit Blick auf die Gesamtkosten aktueller Kraftwerksprojekte deutlich. Demnach betragen die Vollkosten einer Kilowattstunde Windstrom aus neuen Anlagen derzeit 4,1 bis 8,5 Cent pro Kilowattstunde. Bei Solarstrom seien es 7,0 bis 12,7 Cent pro Kilowattstunde. Bei Braun- und Steinkohle fallen diese Kosten mit einer Bandbreite von 13,7 bis 18,3 sowie zwischen 16,5 bis 18,9 Cent aus. Auch Erdgas sei mit Kosten zwischen 11,3 und 14,3 Cent teurer als Wind und Sonne. Bei der Atomenergie betragen die Vollkosten laut Greenpeace Energy zwischen 18,7 und 47,3 Cent pro Kilowattstunde. Müssten Energieversorger diese Zusatzkosten der Stromerzeugung in ihrer Kostenkalkulation berücksichtigen, wären erneuerbare Energien größtenteils heute schon ohne Förderung wettbewerbsfähig, so das Fazit der Studie. (ve)

Die Kurzfassung der Studie zum Download (PDF, 814 KB) (Deep Link)
Die Studie zum Download (PDF, 2 MB) (Deep Link)

Stichwörter: Politik, Greenpeace Energy, Studie



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