IQPC2

Sonntag, 24. September 2017

Agora Energiewende:
Das Energiesystem wird dezentraler


[3.3.2017] Unser Energiesystem wird zunehmend dezentraler, eine Entwicklung, die nicht mehr unbedingt zu der Forderung nach mehr Netzausbau passt. Agora Energiewende hat jetzt einen Sammelband zum Thema Dezentralität erstellt, der vor allem eine Grundlage für die weitere politische Debatte bieten soll.

Mit dem Band Energiewende und Dezentralität will Agora Energiewende laut eigenen Angaben eine Grundlage für die politische Debatte liefern. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat jetzt den Sammelband Energiewende und Dezentralität veröffentlicht, an dem sowohl eigene Experten als auch hinzugezogene Fachleute gearbeitet haben. Ein Ergebnis der Analyse ist, dass sich die Dezentralität mit der Energiewende zu einem dauerhaft prägenden Strukturmerkmal des Energiesystems entwickelt, diese Entwicklung aber nicht mehr zu dem bisherigen Konzept einer ausschließlich zentralen Steuerung mit immer mehr Netzausbau kompatibel ist. Dabei treiben die Schlüsseltechnologien der Energiewende wie Wind, Solar, Batteriespeicher und Digitalisierung einerseits sowie in der Gesellschaft verankerte politische, ökonomische und soziale Präferenzen für Eigenversorgung und Regionalität andererseits die Entstehung dezentraler Strukturen voran, folgert Agora. Deshalb benötigt das neue Strom- und Energiesystem laut dem Think Tank einen eigenen Ordnungsrahmen für Dezentralität. Dieser müsse Ordnung in das Chaos im Bereich der dezentralitätsbedingten Ausnahmen bei Entgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen bringen.
Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, sagt: „Dezentralität ist kein Wert an sich. Aber angesichts von dauerhaft erwartbaren Netzengpässen und aufgrund von sozialen oder politischen Präferenzen für Regionalität können dezentrale Strukturen Mehrwert generieren.“ Allerdings fehle ein entsprechender Rahmen, in dem dezentrale Lösungen den zentralen Strommarkt sinnvoll ergänzen können. Vorteile sieht Agora Energiewende im vermiedenen Netzausbau – hierfür fehle jedoch bisher ein monetäres Maß – oder in der Befriedigung des Bedürfnisses nach Regionalität, für das es ebenfalls keinen Marktrahmen gebe.

Stromregionen gefordert

In dem Sammelband werden die nach Auffassung der Autoren sechs prägenden Aspekte des Themenfeldes beleuchtet. Diese seien die Rolle der Eigenversorgung, die regionale Verteilung von Stromerzeugung und -verbrauch, die regionale Vermarktung von Ökostrom, regionale Smart Grids und Smart Markets, die Rolle kleiner Akteure mit dem Fokus auf der Bürgerenergie und schließlich die Rolle kommunaler Energieversorgung.
Diese Aspekte werden wiederum in Bezug auf das Stromnetz sowie in ihrer ökonomischen, sozialen und politischen Dimension analysiert. Es werden Chancen und Risiken abgeleitet und hieraus erste Handlungsvorschläge unterbreitet. Als Konsequenz fordert Graichen, das Stromsystem perspektivisch in eine klare Struktur aus drei Ebenen zu überführen, für die Abgaben und Umlagen gesondert geregelt sind. Dies wären eine untere Ebene, in der Strom vor Ort und ohne Rückgriff auf das öffentliche Netz erzeugt und verbraucht wird – so genannter Eigenverbrauch/Mieterstrom –, eine mittlere Ebene innerhalb einer Stromregion und schließlich eine überregionale, auch transnationale Ebene für den überregionalen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch. Neu an dem Konzept sei vor allem die Einrichtung von Stromregionen, in denen bei Netzengpässen ein regionaler Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch stattfindet und neue regionale Märkte entstehen können.
Jetzt sei die Politik gefordert, so Graichen: „Eine zukunftsfähige Energiewendepolitik muss die Dezentralitätskomponente als wichtiges neues Strukturelement der Energiewirtschaft aktiv gestalten und sie zügig in den energiewirtschaftlichen Regulierungsrahmen integrieren.“ (me )

Energiewende und Dezentralität (PDF; 1,3 MB) (Deep Link)
www.agora-energiewende.de

Stichwörter: Politik, Agora Energiewende

Bildquelle: Agora Energiewende

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Politik

Greenpeace Energy: Zehn Forderungen an die Bundespolitik
[22.9.2017] Die Energiewende in Deutschland befindet sich an einem kritischen Punkt. Deshalb hat der Ökostromanbieter Greenpeace Energy jetzt insgesamt zehn Forderungen an die neue Bundesregierung formuliert. mehr...
Marcel Keiffenheim ist Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy.
Energiegenossenschaften: Neugründungen weiter rückläufig
[21.9.2017] Laut einer Jahresumfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands hat sich die Zahl der Neugründungen bei Energiegenossenschaften im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert. mehr...
Energiegenossenschaften wollen wieder verstärkt in Photovoltaik investieren.
B.KWK: Wahlprüfsteine beantwortet
[21.9.2017] Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) hat die Antworten der Parteien auf die im August verschickten Wahlprüfsteine veröffentlicht. mehr...
Im Heizkraftwerk Chemnitz wird per Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme erzeugt.
VKU: Stadtwerke sichern Arbeitsplätze
[15.9.2017] 734.000 Arbeitsplätze sichern die kommunalen Stadtwerke in Deutschland. Außerdem zahlen sie Steuern in Höhe von 23,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen veröffentlichte der Verband kommunaler Unternehmen jüngst in einem Postionspapier. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Änderung des Windenergie-Erlasses
[15.9.2017] Die neue CDU/FDP-Regierung in Nordrhein-Westfalen schafft Fakten: Sie hat jetzt eine Änderung des Windenergie-Erlasses beschlossen. mehr...
NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat den Beschluss für eine Änderung des Windenerie-Erlasses maßgeblich vorangetrieben.

Suchen...

 Anzeige

Zukunftsforum Energiewende
euroLighting GmbH
72202 Nagold
euroLighting GmbH
KIRCHNER INGENIEURE
31655 Stadthagen
KIRCHNER INGENIEURE
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH
rku.it GmbH
44629 Herne
rku.it GmbH

Aktuelle Meldungen