EUROFORUM

Montag, 20. Februar 2017

KWKG:
Neues Gesetz – neue Hemmnisse?


[15.2.2017] Der künftige Ausbauschwerpunkt nach KWKG 2016 liegt bei KWK-Anlagen, die ins öffentliche Netz einspeisen. Hiervon profitieren vor allem die Stadtwerke. Insgesamt befinde sich die Branche jedoch in einer kritischen Phase, sagt Berthold Müller-Urlaub, Präsident des B.KWK.

Berthold Müller-Urlaub Am 19. Oktober 2016 wurde die Änderung des neuen Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) vom Bundeskabinett beschlossen. Das ist ein weiterer Wendepunkt in der Entstehungsgeschichte des KWKG 2016. Durch das monatelange Warten auf die Genehmigung des KWK-Gesetzes durch die Europäische Kommission wurde die gesamte KWK-Branche gelähmt. Das ist meines Erachtens eine Katastrophe. Die Entwicklung stagniert und das Vertrauen in die Politik ist verlorengegangen. Bei den Mitgliedern unseres Verbands treten durch Tatsachen belegte Existenzsorgen auf.
Doch was bedeutet die nun beschlossene Änderung des KWKG konkret? Zunächst einmal ist es als Erfolg zu betrachten, dass Modernisierungen wieder als Neuanlagen gewertet werden. Darüber hinaus liegt der künftige Ausbauschwerpunkt bei Anlagen, die ins öffentliche Netz einspeisen. Dass hiervon die Stadtwerke profitieren, begrüßen wir. Insgesamt befinden wir uns aber nach wie vor in einer kritischen Phase. Viele geben jetzt noch eine KWK-Anlage in Auftrag, weil Kraftwerke, die in diesem Jahr noch bestellt werden, nicht unter Ausschreibung fallen. Die Hersteller spüren einen „Vorzieh-Effekt“; möglicherweise folgt danach jedoch ein großes Loch.

Schwierige Kalkulation

Generell stellt sich die Frage, wie die Ausschreibungen ablaufen sollen. Immerhin wurde das Ausschreibungsvolumen noch einmal etwas erhöht: von 100 Megawatt im Jahr 2017 auf 200 Megawatt jährlich ab 2018. Jedoch weiß keiner, wie sich die Strom- und Gaspreise entwickeln und wie hoch die KWK-Umlage sein wird. Wie soll da ein Entscheidungsgremium Vorschläge für eine Neuanlage machen und den Strompreis kalkulieren? Aus meiner Sicht kann das nicht funktionieren.
Des Weiteren ist nach wie vor fraglich, wie der Abgleich mit negativen Strompreisen gestaltet werden soll. Meiner Meinung nach müssten kleine Anlagen über eine Bagatellgrenze ausgenommen werden. Darüber hinaus kann die Börse nicht als offizielle Institution fungieren. Wer haftet, wenn aufgrund von Fehlinformationen hier Probleme auftreten?
Positiv ist hingegen zu sehen, dass die Politik zunehmend die Bedeutung der Sektorenkopplung wahrnimmt. Bislang beziehen sich die aktuellen Ausbauziele regenerativer Energien nur auf die Stromerzeugung. Die Energiewende muss jedoch als Gesamtsystem gesehen werden: Durch die Einbeziehung des Wärme- und Verkehrssektors wird der gesamte Strombedarf wesentlich höher sein.

Mangelnde Bekanntheit

Daher muss neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien auch die Energieeffizienz ein zentrales Thema sein. Als hocheffiziente Umwandlungstechnologie spielt die KWK deshalb auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die Energiewende – die Ressourcenschonung und die Minderung von CO₂-Emissionen.
Leider wird die Kraft-Wärme-Kopplung vom Bundeswirtschaftsministerium nicht als notwendiger Partner der Erneuerbaren Energien wahrgenommen. Das liegt unter anderem auch an der mangelnden Bekanntheit von KWK in der breiten Öffentlichkeit. Dies möchten wir als Bundesverband mit der Einführung unserer Blauen Marken – Blauer Strom, Blaue Wärme und Blaue Kälte – nun ändern: KWK bekommt endlich ein Gesicht und findet hoffentlich dadurch mehr Gehör als bislang.

Berthold Müller-Urlaub ist Präsident des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK)

www.bkwk.de
Dieser Beitrag ist in der Januar/Februar-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Kraft-Wärme-Kopplung, Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK), KWK-Gesetz

Bildquelle: Agentur Kappa

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Kraft-Wärme-Kopplung

Waldbronn: Ein BHKW für Wärme, Kälte und Strom
[17.2.2017] Die EnBW-Tochter Sales & Solutions hat in der Schwarzwaldgemeinde Waldbronn jetzt eine neue Energiezentrale für die Wärme-, Kälte- und Stromversorgung im Contracting gestartet. Angeschlossen ist die Gemeinde mit Schwimmbad und Eissporthalle sowie die Unternehmen Agilent Technologies und Taller. mehr...
Feierliche Inbetriebnahme der neuen Energieverbundzentrale in Waldbronn.
Kraft-Wärme-Kopplung: Flexibilität und Mehrerlöse mit ORC-Modul Bericht
[16.2.2017] Hocheffiziente Blockheizkraftwerke spielen für Stadtwerke eine zunehmende Rolle bei der Reorganisation ihres Erzeugungsportfolios. Der BHKW-Hersteller 2G Energy zeigt mithilfe eines ORC-Prozesses die notwendige Flexibilität für den Energiemarkt und mögliche Mehrerlöse auf. mehr...
Andreas Schneider erzielt mit dem 2G Biogas-BHKW und nachgeschaltetem ORC-Modul ein Maximum an elektrischem Wirkungsgrad.
KWK: Mittelfristig gute Prognose Interview
[10.2.2017] Solange Brennstoffe für die Strom- und Wärmeproduktion eingesetzt werden, spart die KWK als Effizienztechnologie Primärenergie ein, sagt Marco Wünsch von der Prognos AG gegenüber stadt+werk. Generell sieht der Wirtschaftsingenieur noch zusätzliches Potenzial bis 2030. mehr...
Marco Wünsch
Energieeffizienzquartier: BS Energy modernisiert Heizwerk
[8.2.2017] In Braunschweig wird das Heizwerk eines an die Nahwärmeversorgung angeschlossenen Quartiers von Öl auf Erdgas umgestellt. mehr...
Über den Plänen für das Heizkraftwerk Mascherode:
Borken: Neue Heizung für das Kreishaus
[25.1.2017] Die alte Kohleheizung für das Kreishaus Borken wurde ausgemustert. Stattdessen versorgt nun ein mit Deponiegas betriebenes Blockheizkraftwerk das Gebäude und die angrenzende Polizei. mehr...
Vor dem neuen Blockheizkraftwerk am Kreishaus:

Suchen...

Aktuelle Meldungen