Samstag, 22. Juli 2017

Umfrage:
Smart Meter verändern Marktstruktur


[26.1.2017] Eine Umfrage zum wettbewerblichen Messstellenbetrieb hat ergeben, dass viele Stadtwerke im Smart Metering eine Chance zur Erschließung neuer Geschäftsfelder sehen. Als wichtigste Player im Markt werden Töchter von Energiekonzernen oder -verbünden, Wohnungswirtschaftsdienstleister und Start-ups erwartet.

Der Markt für den wettbewerblichen Messstellenbetrieb befindet sich aktuell in der Findungsphase. Die Management-Beratung Detecon hat zur Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2017 eine Umfrage zum wettbewerblichen Messstellenbetrieb (wMSB) durchgeführt. Demnach sehen viele Energieversorger und Stadtwerke im Smart Metering eine Chance zur Erschließung neuer Geschäftsfelder. So habe die Hälfte der befragten Marktteilnehmer bereits eine Konzeptionsphase für entsprechende Dienste gestartet. Obwohl ein Drittel beabsichtigt, auch tatsächlich in den wMSB einzusteigen, habe aber keines der elf befragten Energieunternehmen bisher ein Pilotprojekt gestartet.
Das im September 2016 in Kraft getretene Gesetz zur digitalen Energiewende ermöglicht es wettbewerblichen Messstellenbetreibern (wMSB), intelligente Messsysteme an den Verbrauchsstellen zu betreiben und Messdienstleistungen für Geschäftskunden wie Filialisten, die Wohnungswirtschaft oder auch Privatkunden anzubieten. Damit können Energieversorger künftig nicht nur Strom außerhalb ihres Netzgebietes verkaufen, sondern auch entsprechende Dienstleistungen im Bereich Messen deutschlandweit anbieten.
Doch aus welchen Bereichen sind neue Anbieter im zukünftigen wMSB-Markt zu erwarten? Über 80 Prozent der Befragten rechnen vor allem mit Tochtergesellschaften von Energiekonzernen oder -verbünden, Wohnungswirtschaftsdienstleistern und Start-ups. Mit etwas Abstand folgen größere eigenständige Stadtwerke und Energieversorger und gut die Hälfte der Befragten erwartet auch IT- und Telco-Anbieter. Nur knapp 20 Prozent rechnen auch mit kleineren Energieversorgern und Stadtwerken. Außerdem werde erwartet, dass große Anbieter eher auf den Privatkundenmarkt drängen, während sich kleine und mittelgroße Unternehmen eher auf den Industrie- und Großkundenmarkt konzentrieren werden.
Sven Weber, Senior Consultant und Energieexperte bei Detecon, sagt: „Aktuell ist der Markt bezüglich Nachfrage und Wettbewerb noch in der Findungsphase. Die EVUs und Stadtwerke kommen nicht umhin, Fragen zu Geschäftsmodellen, Produktideen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Umsetzung für sich selbst individuell zu beantworten.“
Unsicherheit herrsche bei den Anbietern bezüglich der wirtschaftlichen Risiken. So befürchte eine Mehrheit von 81 Prozent ein negatives Verhältnis von Kosten und Zahlungsbereitschaft. Auch unklare regulatorische Regeln werden mit Sorge betrachtet, während ein intensiver Wettbewerb weniger als Herausforderung angesehen wird. Ein wichtiger Erfolgsfaktor in dem neuen Gewerbe sei die IT. Hier sieht sich die überwiegende Anzahl der Befragten gut gerüstet. Dennoch gehen kleine und mittlere Anbieter davon aus, Teile der Wertschöpfungskette wie die Gerätebeschaffung und Installation an externe Dienstleister auslagern zu müssen. (me)

www.detecon.com
Studie wMSB (PDF; 614 KB) (Deep Link)

Stichwörter: Smart Grid, Netze, Detecon

Bildquelle: Detecon

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