Dienstag, 22. August 2017

Gengenbach:
50 Prozent Beteiligung an Windpark


[22.11.2016] Die baden-württembergische Stadt Gengenbach will aktiv bei der Energiewende mitwirken und die kommunale Wertschöpfung erhöhen. Endura Kommunal hat die Stadt von Beginn an bei der Entwicklung eines Windparks begleitet, bis sich die Stadt bei Offenburg und der Projektentwickler Enercon auf eine 50 Prozent Beteiligung einigen konnten.

Aktuell wird der Untergrund für die Windenergieanlagen im geplanten Windpark Rauhkasten-Steinfirst bei Gengenbach vorbereitet, die Baugruben für die 3.500 Tonnen schweren Bodenfundamente werden ausgehoben. Der Bau der insgesamt vier Windräder soll im Januar 2017 beginnen, die Inbetriebnahme ist für Juli 2017 vorgesehen. Die Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12 Megawatt sollen pro Jahr 13.800 Tonnen CO2 einsparen. Thorsten Erny, Bürgermeister von Gengenbach, freut sich: „Das entspricht der Leistung von rund 1.800 durchschnittlich großen Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern. Mit dem Windpark wird die Stadt mehr Strom produzieren, als ihre Einwohner verbrauchen.“ Die Windräder werden eine Nabenhöhe von 149 Metern erreichen, inklusive Rotoren wird die Gesamthöhe 206 Meter betragen. Eine einjährige Messung mit einem 140 Meter hohen Windmast hat ergeben, dass das Windaufkommen durchschnittlich bei 6,2 Metern pro Sekunde liegt, damit können die Anlagen wirtschaftlich betrieben werden. Doch wer profitiert von den Einnahmen? Das ist mit einem Anteil von 50 Prozent die Stadt Gengenbach und interessierte Bürger. Die andere Hälfte gehört dem Windanlagenhersteller und Projektentwickler Enercon. Begleitet hat den Deal die Freiburger Beratungsfirma Endura Kommunal, die das 21-Millionen-Euro-Projekt in Baden-Württemberg von Beginn an betreut. Für die Stadt sei die Projektentwicklung risikolos, die Kosten von rund 600.000 Euro übernehme der Projektentwickler. Wie Endura Kommunal mitteilt, führt die Beteiligung der Kommune zu einer erhöhten finanziellen Wertschöpfung. So könne Gengenbach das eingesetzte Eigenkapital mit sehr guten zweistelligen Renditen verzinsen und gleichzeitig die Bürger mit attraktiven Optionen beteiligen. Die Gemeinde habe so nicht nur die Sicht auf den Windpark, sondern profitiere auch von dessen wirtschaftlichem Nutzen.

Pachtgemeinschaft sorgt für Dorffrieden

Im Interesse der Grundstückseigentümer wurde eine Pachtgemeinschaft gegründet. Wenn Grundstückseigentümer mit verschiedenen Projektentwicklern Pachtverträge abschließen, führe dies erfahrungsgemaß dazu, dass sich Windparkprojekte verzögern oder gar komplett scheitern. Der Grund: Keines der Unternehmen kann ohne die Grundstücke des anderen einen Windpark entwickeln. Die Folge: Die Grundstückseigentümer kommen nicht zu ihren Pachteinnahmen, nicht selten ist der Dorffrieden in Gefahr. Eine Pachtgemeinschaft hingegen vermeide solche Probleme. Sie stärke die Stellung der Kommune und ihrer Eigentümer, Windparkprojekte würden schneller realisiert und die Eigentümer erhielten einen gerechten Anteil an den Pachterlösen. Der Hintergrund: Zahlreiche Unternehmen preisen sich als die richtigen Partner für die Windparkentwicklung in den Gemeinden mit windhöffigen Standorten an. Die Angebote sind schwer vergleichbar, weshalb es notwendig sei, einen Kriterienkatalog für die objektive Bewertung zu entwickeln. Außerdem werden mit einer öffentlichen Ausschreibung alle Anbieter gezwungen, ihre Angebote in einem einheitlichen Format und vergleichbar abzugeben, informiert Endura Kommunal. Besonders wichtig für den Erfolg eines solchen kommunalen Projekts sei auch die Kommunikation in alle Richtungen. „Unsere Stadt nutzte auch hier den Sachverstand von Rolf Pfeifer und seinen Kollegen“, sagt Bürgermeister Erny. „Der Verwaltung wurde durch die Vorbereitung und Begleitung der Termine mit Behörden, Gutachtern, Bürgern, Gemeinderäten, Nachbarkommunen und Gegnern des Projekts viel abgenommen.“ Die Kommune sei auch befähigt worden, in vielen fachspezifischen Belangen wie etwa dem Naturschutz kompetent vertreten zu sein. Obwohl Kommunen von der Gewerbesteuer und eventuellen Pachteinnahmen finanziell von der Energiewende vor Ort profitieren, werde die Beteiligung an Windrädern oft als finanzielles Risiko wahrgenommen, sagen die Experten von Endura Kommunal. Die Beteiligung von Gengenbach zeige indessen, dass diese Sicht nicht stimmt. Projektentwickler übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Entwicklungskosten und geben sogar einen Teil der Windenergieanlagen in das Eigentum von Kommunen und Bürgern. Der Entwickler verzichte damit zwar auf einen Anteil seiner Gewinne, wisse aber auch, dass Planung, Genehmigung und Bau meist viel unproblematischer verlaufen. (me)

www.endura-kommunal.de

Stichwörter: Finanzierung, Windenergie, Gengenbach, Baden-Württemberg, Endura Kommunal, Enercon



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