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Dienstag, 17. Oktober 2017

Energiewende:
Günstigere Kredite global erforderlich


[11.11.2016] Eine neue Studie zeigt, dass niedrigere Kapitalkosten plus höhere CO2-Preise, Wind- und Solaranlagen wettbewerbsfähiger machen gegenüber Kohlekraftwerken.

Lion Hirth und Jan Steckel vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) haben jetzt im Fachmagazin Environmental Research Letters ihre Studie The role of capital costs in decarbonizing the electricity sector veröffentlicht.
Die wesentlichen Ergebnisse: Für eine erfolgreiche globale Energiewende sollte in den Schwellen- und Entwicklungsländern ein CO2-Preis eingeführt und die Kapitalkosten für Wind- und Solaranlagen von aktuell oft über zehn Prozent auf unter fünf Prozent gesenkt werden. Dabei könnten Exportgarantien wie die deutschen Hermesbürgschaften, der Zugang zu internationalen Finanzmärkten sowie stabile politische und rechtliche Rahmenbedingungen für Investoren in den jeweiligen Ländern zum Ziel führen. Die Erkenntnisse sind vor allem im Hinblick auf die Klimakonferenz von Marrakesch von hoher Relevanz. Zwar ist hier die globale Energiewende das Thema, dennoch setzen laut den Autoren viele arme und schnell wachsende Länder auf Kohlekraftwerke, deren Investitionskosten deutlich unter denen der erneuerbaren Energien liegen. Da in vielen armen Ländern sowohl die Risiken als auch die Kreditzinsen für erneuerbare Energien hoch sind, spielen deren Vorteile wie keine Kosten für Brennstoffe, keine CO2-Zertifikate und keine Luftverschmutzung nämlich keine Rolle mehr. Dabei resultieren die hohen Kapitalkosten aus höheren Investitionsrisiken beispielsweise durch politische Unsicherheiten. Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Klimawandel und Entwicklung, erläutert: „Niedrige Kapitalkosten sind ein entscheidender Hebel, um die Wirkungen von CO2-Preisen voll zu entfalten: je niedriger die ersteren, desto effektiver die letzteren. Bleiben die Kapitalkosten jedoch weiterhin so hoch, würde selbst die Einführung von vergleichsweise hohen CO2-Preisen verpuffen.“ Mithilfe eines Modells haben die Forscher erstmals berechnet, wie sich die Kapitalkosten auf die Effektivität der CO2-Bepreisung auswirken. Sie konnten zeigen, dass relativ niedrige Kapitalkosten von drei Prozent schon bei einem moderaten CO2-Preis von 50 US-Dollar pro Tonne den Emissionsausstoß um fast die Hälfte verringern. Bei gleichem CO2-Preis und Kapitalkosten in Höhe von 15 Prozent kommt es hingegen zu fast keiner Reduzierung der Emissionen. „Moderate CO2-Preise mit niedrigen Kapitalkosten zu verbinden, ist politisch wahrscheinlich realistischer als die extrem hohen CO2-Preise, die sonst nötig wären um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen“, sagt Steckel. „Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern brauchen wir daher rechtlich sichere Rahmenbedingungen für Investoren. Einspeisetarife für Erneuerbare können hier eine Möglichkeit sein.“ Aus Sicht der MCC-Wissenschaftler zeigt die neue Forschung auch, dass selbst in von Sonne und Wind begünstigten Ländern, die Erneuerbaren noch lange nicht zum Selbstläufer werden. „Eine erfolgreiche Klimapolitik muss das Investitionsrisiko senken. Bei sicheren Anlagen sind Banken bereit, günstigere Kredite zu vergeben und Investoren geben sich mit einer geringeren Rendite zufrieden“, sagt Lion Hirth. „Mit anderen Worten: Sind die Kapitalkosten geringer, werden Wind- und Solarenergie gegenüber Kohlekraftwerken deutlich wettbewerbsfähiger. So kann die globale Energiewende gelingen.“ (me)

www.mcc-berlin.net

Stichwörter: Finanzierung, globale Energiewende, MCC, Studie, Kapitalkosten, CO2-Bepreisung



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