EWFachtagung

Samstag, 25. März 2017

Portfolio-Management:
Wertschöpfung aus einem Guss


[9.8.2016] Das Unternehmen PortfolioWerkStadt bietet Energieversorgern Beratung und Services rund um die Themen Bilanzkreis- und Portfolio-Management. Von welchen Vorteilen Stadtwerke dabei profitieren, beschreibt Gründer Felix Zimmermann im stadt+werk-Interview.

Felix Zimmermann: „Unsere Kunden profitieren von einer energiewirtschaftlichen Abwicklung aus einer Hand.“ Herr Zimmermann, Ihr Unternehmen ist gewissermaßen ein Start-up im Bereich Portfolio-Management. Welche Idee stand hinter der Unternehmensgründung?

Die grundlegende Idee hinter der PortfolioWerkStadt ist die Verbesserung der Servicequalität für Energieversorger durch die Verbindung von operativem Bilanzkreis-Management, der Expertise eines Portfolio-Managers und der Unabhängigkeit eines Beraters. Bislang haben die meisten anderen Modelle entweder die reine Abwicklung von Prozessen oder aber eine unabhängige Beratung vorgesehen. Etwaige Diskrepanzen oder mangelnde Informationen gingen dann aufgrund der Trennung von Umsetzung und Verantwortung zulasten der Energieversorgungsunternehmen.

Warum sollten sich Stadtwerke für Ihre Dienstleistungen entscheiden, was sind Ihre Alleinstellungsmerkmale?

Wir bieten den Stadtwerken die Vorteile eines unabhängigen Beraters – ohne Konzernbeteiligungen oder Beteiligungen Dritter – und zugleich den Service der kostengünstigen und effizienten Umsetzung von Prozessen rund um die Themen Bilanzkreis- und Portfolio-Management. Durch unsere langjährige Erfahrung als Manager und Leiter in EVUs der Großhandels- und Endkundenebene bieten wir sowohl Strategieberatung als auch ganz praxisnahe und realisierbare Lösungen für Stadtwerke. Dieser Background gewährleistet den langfristigen und kostengünstigen Erfolg des Portfolio-Managements und von Projekten. In der Praxis begleiten wir Stadtwerke und Industriekunden von der Beschaffungs- und Risikostrategie über die Auswahl der Lieferanten, die Ausschreibung und Verhandlung von Energiemengen und die Optimierung der Strukturen sowie Verträge bis hin zur physischen Nominierung der Mengen in den Marktgebieten und Regelzonen. Zudem übernehmen wir die REMIT-Meldungen gemäß der EU-Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts an die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) oder das tägliche Reporting der Markt- und Portfolioentwicklung.

Wie können Sie Marktvorteile für Ihre Kunden nutzen?

Wir vergleichen und verhandeln alle Angebote für Energiebeschaffungen für unsere Kunden. Wir optimieren deren Profile und finden optimierte Beschaffungszeitpunkte. Wir analysieren alle Rechnungsbilanzkreise am Markt für Kunden und können aufgrund unserer Ungebundenheit regelmäßig den individuell günstigsten Pool finden.

„Wir verhandeln alle Verträge so günstig wie möglich für unsere Kunden.“


Wie senken Sie die Beschaffungs-, Prognose- und Spot-Kosten?

Wir senken Beschaffungskosten durch die Optimierung der Beschaffungsstrategie und die Bündelung und Saldierung von illiquiden Strukturen. Dabei greifen wir auf ein europaweites Lieferantennetz zurück und verhandeln alle Verträge so günstig wie möglich für unsere Kunden. Die Beschaffungsstrategie wird dabei individuell auf das Vertriebsportfolio des Kunden angepasst und das Verhalten der Endkunden berücksichtigt. Vor der Verhandlung ist jedoch die Frage nach tatsächlich benötigten Flexibilitäten und damit einhergehenden Mehrkosten analytisch zu beantworten. Prognosekosten senken wir durch eigens entwickelte Prognose-Algorithmen sowie durch die Poolung von Ausgleichsenergie in dem jeweils größten beziehungsweise vorteilhaftesten Pool bundesweit.

Wer sind Ihre wichtigsten Kunden und welches Portfolio verwalten Sie bereits?

Unsere Kunden sind allesamt gleich wichtig. Was für uns von größter Bedeutung ist, ist das uns stets entgegengebrachte Vertrauen der Kunden. Wir verwalten aktuell ein Portfolio von circa 1,2 Terawattstunden/Gas. Hinzu kommen Beratungsmandate für Strom und Strategieberatungen.

Welche Dienstleistungen bieten Sie im Portfolio- und Bilanzkreis-Management an?

Im Portfolio- und Bilanzkreis-Management bieten wir die Erstellung von Beschaffungs- und Risikohandbüchern an, die Analyse und Prognose der Vertriebsportfolien, das Pricing von Industrie-, Gewerbe und Haushaltskunden auf Basis von Intraday-Preisen Over-the-Counter (OTC) und Börse inklusive aller Aufschläge und Flexibilitätsrisiken, dazu tägliche DPFC-Kurven (Daily Price Forward Curves) sowie tägliche Markt- und Portfolio-Reports. Zu unserem Angebot zählen darüber hinaus die Abwicklung der kompletten Ausschreibungsprozeduren sowie die Verhandlung mit Lieferanten, die Eröffnung von EVU-eigenen Bilanzkreisen und Subbilanzkonten, deren gesamte Bewirtschaftung inklusive Prognosen und Nominierungen (24/7-Bereitschaft), das Pooling von Bilanzkreisen und deren Verrechnung, die Kontrolle von Rechnungen der Marktgebietsverantwortlichen, die REMIT-Meldungen von Deals und das Pooling von Bilanzkreisen.

Sie sind zudem als Berater tätig. Wie profitieren Ihre Kunden davon?

Unsere Kunden profitieren ganz konkret durch die Beratung und Strategieempfehlung bis hin zur energiewirtschaftlichen Abwicklung aus einer Hand. Dadurch bilden wir einen Großteil der gesamten Wertschöpfungskette aus einem Guss. Für das Stadtwerk bedeutet dies weniger Gegenkontrollen, weniger Abstimmungsaufwand, mehr Vertrauen in die praktische Umsetzbarkeit der Empfehlungen und klare Verantwortungszuweisung an nur einen Dienstleister. Oftmals mangeln nämlich Beratungen an der fachlichen Expertise, da reine Berater nicht mit deren Abwicklung und den Konsequenzen konfrontiert sind. Zudem können wir aufgrund unserer Unabhängigkeit Beschaffungszeitpunkte und Profile empfehlen, direkt am Markt beschaffen und für die Bewirtschaftung des Energiemengenportfolios einplanen.

Ihre Kunden können auch Online-Services nutzen, welche sind das?

In unserem Online-Portal bieten wir standardmäßig ein Pricingtool für die Bepreisung von Standard-Lastprofil- und RLM(Registrierende Leistungsmessung)-Abnahmestellen auf Basis von tagesaktuellen Börsen- und Over-the-Counter-Preisen, eine Oberfläche zur Veröffentlichung von Insider-Informationen gemäß REMIT, eine Filesharing-Oberfläche für die sichere Kommunikation und Sicherung von Daten sowie ein PortfolioCockpit zur täglichen Verfolgung aller Beschaffungen, Verbräuche, Prognosen, Analysen und Preise.

Wie werden Sie Ihr Unternehmen weiterentwickeln?

Derzeit bauen wir das Leistungsspektrum weiter aus, sodass wir auch netzseitige Prozesse und die so genannte Marktkommunikation standardmäßig anbieten sowie die Stromportfolien für unsere Kunden bewirtschaften können. Im Bereich Tools und Services befinden sich aktuell bereits vier weitere Entwicklungen in der Pipeline, um die kosten- und personalintensiven Prozesse unserer Kunden weiter zu verschlanken.

Alexander Schaeff

Zimmermann, Felix
Felix Zimmermann ist geschäftsführender Gesellschafter der PortfolioWerkStadt GmbH mit Sitz in Stuttgart, die er im Januar 2015 mitgegründet hat. Zuvor war er bis Dezember 2014 Leiter und Mitbegründer des Portfolio- und Risiko-Managements bei der GasVersorgung Süddeutschland.

www.portfoliowerkstadt.de
Dieser Beitrag ist in der Juli-/August-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Erdgas, PortfolioWerkStadt GmbH, Bilanzkreis-Management, Portfolio-Management

Bildquelle: PortfolioWerkStadt

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Erdgas

Erdgas: Mit guten Argumenten überzeugt Interview
[23.3.2017] Erdgas beantwortet die Gretchenfrage der Energiewende, sagt Gerald Linke. stadt+werk sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) über den Klimaschutzplan 2050 und das DVGW-VDE-Eckpunktepapier zur Sektorkopplung. mehr...
Professor  Linke: Unser Gas wird langfristig regeneratives Gas, das klimaneutral ist.
Studie: Klimaschutz durch Sektorenkopplung
[22.3.2017] Die Gasbranche hat jetzt eine Studie zum Thema Klimaschutz durch Sektorenkopplung in Berlin vorgestellt. Diese zeigt, dass eine Sektorenkopplung via Strom zu Gas kostengünstiger als eine Vollelektrifizierung ausfallen kann. mehr...
Die Studie untersucht verschiedene Pfade zur Sektorenkopplung und stellt dabei den Kohleausstieg, die Vollelektrifizierung und Strom zu Gas in den Mittelpunkt.
Greenpeace Energy: Mehr Wasserstoff aus Windkraft
[25.1.2017] Greenpeace Energy steigert den Anteil von regenerativ erzeugtem Wasserstoff in seinem produkt proWindgas um rund 150 Prozent. Dazu tragen auch Lieferungen von den Mainzer Stadtwerken bei. mehr...
Gas-Union: Gas online handeln
[20.1.2017] Der Gasversorger Gas-Union ermöglicht seinen Kunden verbindliche Gaspreise nun auch über das Kundenportal Energy-Dashboard. mehr...
Oldenburg: Busse setzen voll auf Gas
[6.12.2016] Die Verkehrsbetriebe der Stadt Oldenburg haben im Oktober den kompletten Omnibusbetrieb auf Erdgasantrieb umgestellt. mehr...
Oldenburgs Busflotte wird mit Bioerdgas betrieben.