BDEW:
Erneuter Ruf nach Kapazitätssystemen


[27.4.2017] Trotz Planung steht die Investitionsentscheidung für viele konventionelle Kraftwerksprojekte aus. Der BDEW fordert deshalb erneut, einen Kapazitätsmechanismus einzuführen.

Neubau und Stillegungen von konventionellen Kraftwerken. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zum Auftakt der Hannover Messe (24. bis 28. April 2017) seine neue Kraftwerksliste veröffentlicht. Die Liste enthält alle in Bau befindlichen Kraftwerke sowie die genehmigten und geplanten Projekte mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt (MW) aus dem konventionellen und erneuerbaren Bereich, informiert der Branchenverband.
Den größten Anteil an geplanter Erzeugungsleistung haben laut der Liste die Gaskraftwerke. So sind derzeit vier Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 780 Megawatt im Bau. 15 weitere Gaskraftwerke mit einer potenziellen Erzeugungskapazität von 9.500 Megawatt sind in Planung. Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sagt: „Auf den ersten Blick ist das eine beachtliche Zahl an möglicher neuer Erzeugungskapazität aus Gaskraftwerken, die wir als Partner der erneuerbaren Energien dringend brauchen. Aber: Die Investitionsentscheidung ist bei nahezu allen geplanten Gaskraftwerken mit einem Gesamtvolumen von 8.700 MW noch nicht getroffen.“ Hinter den meisten Gas-Kraftwerksprojekten stehe ein dickes Fragezeichen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Damit Investitionen in Gaskraftwerke auch tatsächlich erfolgen, müsste die Politik zunächst klar machen, dass Gas und die Gasinfrastruktur eine politische Zukunft haben.
Die Situation im Bereich der Pumpspeicherkraftwerke sieht ähnlich aus. Auch hier sind zwar acht Projekte im Genehmigungsverfahren oder in der Planung – das Gesamtvolumen beträgt 4.660 Megawatt – aber auch hier sei eine Realisierung der Projekte fraglich. Kapferer: „Die immer schwierigere Marktsituation bedroht mit Pumpspeicherkraftwerken ausgerechnet eine Kraftwerkstechnologie, die sich zum Ausgleich der stark schwankenden Einspeisung aus erneuerbaren Energien besonders eignet. Die Verunsicherung bei Investoren ist groß.“ Besonders aufwändige und langwierige Genehmigungsverfahren erschwerten eine Realisierung zusätzlich.
Unterm Strich sind laut BDEW-Auswertung aktuell 1.832 Megawatt Leistung in Form konventioneller Kraftwerke im Bau. Diesen stünden voraussichtliche Stilllegungen im Umfang von 26.038 MW bis 2022 gegenüber. „Es ist deshalb aus meiner Sicht erforderlich, dass wir nach der Bundestagswahl das Thema Kapazitätsmechanismen wieder auf die Tagesordnung setzen. Die nächste Regierung sollte den Mut beweisen, einen Kapazitätsmechanismus vorzubereiten, der geeignet ist, einen Strommarkt mit einem Erneuerbaren-Anteil von über 30 Prozent flexibel und jederzeit abzusichern, wenn die bestehenden Reserven ein kritisches Ausmaß erreichen“, so Kapferer. (me)

www.bdew.de
BDEW-Kraftwerksliste 2017 (; 43 KB) (Deep Link)
Auswertung Kraftwerksliste (; 22KB) (Deep Link)

Stichwörter: Politik, BDEW, Stefan Kapferer

Bildquelle: BDEW/Bundesnetzagentur

       


Quelle: www.stadt-und-werk.de